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10/14/2022

Laurin Heinrich über seinen Titelgewinn, Simulatortraining und Linkshändigkeit

Das Saisonfinale im Porsche Carrera Cup Deutschland steigt vom 21. bis 23. Oktober auf dem Hockenheimring Baden-Württemberg. Mit viel Selbstvertrauen im Gepäck reist Laurin Heinrich zum achten Saisonstopp: Bereits auf dem Sachsenring machte der Youngster von SSR Huber Racing den Titelgewinn im Markenpokal perfekt. Dem 21-jährigen Porsche-Junior gelang damit als erstem Fahrer seit sieben Jahren das Kunststück, die Meisterschaft vor dem Finalwochenende zu entscheiden. Im Interview spricht der Würzburger über die ersten Momente nach der Zieldurchfahrt, den Support vom ehemaligen Porsche-Werksfahrer Wolf Henzler und seine Motorsport-verrückte Familie. Außerdem verrät Heinrich, was er unter dem Begriff „Hybrid-Racer“ versteht und welches Ritual bei ihm zu jedem Rennen gehört.

Laurin, du bist neuer Champion im Porsche Carrera Cup Deutschland. Wie fühlt sich das an?
Es ist ein Hammergefühl, jetzt neuer Champion zu sein. Als ich im Ziel mein Team jubelnd an der Boxenmauer gesehen habe, war das ein unbeschreiblich schöner Moment. Auch die Fans auf den Tribünen am Sachsenring haben in meiner Auslaufrunde applaudiert. Wahnsinn!

Welche Momente der Saison sind dir besonders in Erinnerung geblieben?
Auf jeden Fall mein Doppelsieg beim Auftakt in Spa-Francorchamps, damit hat alles begonnen. Außerdem ist Spa eine meiner Lieblingsstrecken. Fliegende Autos in Eau Rouge bzw. Raidillon sind einfach ein Highlight der Saison. Auch an das Rennwochenende auf dem Red Bull Ring denke ich gern zurück. Nicht nur wegen meines Sieges, sondern weil SSR Huber Racing alle drei Fahrer auf dem Podium gestellt hat. Ein großartiger Erfolg für Christoph Huber und das gesamte Team, genauso wie das Jubiläum auf dem Lausitzring mit dem 100. Carrera-Cup-Rennen für Huber Racing.

Du warst seit dem ersten Rennen ununterbrochen an der Tabellenspitze. Wie hast du es geschafft, die Konzentration über die Saison stets hochzuhalten?
Die ersten beiden Jahre im Porsche Carrera Cup haben mir gezeigt, dass jeder jeden schlagen kann. Daher hatte ich gar nicht damit gerechnet, dass es mir am Sachsenring schon gelingen würde, den Titel zu holen. Sechs Siege und dazu fünfmal Podium mit meiner Huber Racing Family, das ist schon toll. Es ist ein großartiges Gefühl, als Titelgewinner in die Fußstapfen von so vielen Motorsportlegenden wie unter anderem Timo Bernhard treten zu dürfen. Er hat ja im Jahr 2001 den Carrera Cup gewonnen.

Der Titel ist nicht dein erster Erfolg in einer Porsche-Rennserie. Wann hast du das erste Mal in einem Porsche gesessen?
Das war 2019 im Porsche Sports Cup Deutschland. Eigentlich wollte ich das Jahr nutzen, um so gut wie möglich den Porsche 911 GT3 Cup kennenzulernen. Am Ende der Saison war ich Meister im Porsche Super Sports Cup. Ein unglaubliches Jahr. Dazu kommt, dass ich im Vorgänger-Modell des aktuellen Cup-Fahrzeugs gestartet bin, was sogar ein Nachteil war. Ein Jahr später konnte ich außerdem den Titel in der Porsche Endurance Challenge holen.

Auch im Porsche Carrera Cup Deutschland hast du direkt dein Talent gezeigt. Wie erklärst du dir das?
Die ersten beiden Jahre gehörte ich zum Talent-Pool-Kader des Porsche Carrera Cup und hatte mit Wolf Henzler als Coach einen super Support. Mir persönlich hat er besonders bei unbekannten Situationen geholfen. Mir fehlte zum Beispiel total die Erfahrung in Regenrennen. Dazu gab Wolf mir gute Tipps wie zum Beispiel, wo es auf der Strecke besonders feucht sein könnte oder wie ich die Reifen bei abtrocknendem Asphalt am besten kühle.

Dein Vater Harald ist stets an deiner Seite. Wie wichtig ist er für dich?
Mein Vater ist an fast jedem Rennwochenende dabei. Er hat immer an mich geglaubt und ist sich auch nie zu schade, mal selbst mit anzupacken. In der Kartzeit war mein Papa der Schrauber, in der ADAC Formel 4 hat er sich in unserem Privatteam um die Organisation gekümmert. Meine Mutter und meine Schwester sind auch öfter mit an der Rennstrecke. Man kann schon sagen, dass ich aus einer Motorsport-verrückten Familie komme.

Auch abseits der Rennstrecke dreht sich dein Leben viel um Motorsport. Du bezeichnest dich als „Hybrid-Racer“. Was versteht man unter dem Begriff?
Das bedeutet, dass ich nicht nur auf realen Rennstrecken Motorsport betreibe, sondern auch virtuell auf professionellem Niveau um Siege und Meisterschaften kämpfe. In diesen Serien fahre ich Langstreckenklassiker wie die 24 Stunden von Le Mans oder das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring virtuell. Dieses Jahr starte ich zum Beispiel für das Porsche Coanda Esports Racing Team in der Le Mans Virtual Serie. Es gibt nicht viele Fahrer, die beide Varianten auf professionellem Niveau betreiben, darum sehe ich mich da als Vorreiter in der Verbindung von virtuellem und echtem Motorsport.

Bereitest du dich auch virtuell auf echte Rennen vor?
Das hängt davon ab, was ich trainieren möchte. Wenn eine für mich neue Strecke im Terminkalender steht, bereite ich mich intensiv im Simulator vor. So kann ich bereits lange vor dem eigentlichen Event Erfahrungen auf der Rennstrecke sammeln. Die Nordschleife ist zum Beispiel eine sehr lange Strecke. Um den Streckenverlauf auswendig zu lernen, eignen sich Rennsimulatoren perfekt. Das ist eine große Hilfe, um nicht bei null anfangen zu müssen. Aber auch bei anspruchsvollen Strecken, beispielsweise Imola, macht sich Training am Simulator bezahlt.

Wo liegen die Unterschiede zwischen Esports und realem Motorsport?
Im Esports verhält sich ein Fahrzeug nie komplett exakt so wie ein reales Auto. Dazu gibt es im richtigen Motorsport Faktoren wie Sand auf dem Asphalt oder den Teileverschleiß. Allerdings sind die Strecken enorm dicht an der Realität dran, jede Bodenwelle findest du auch in der digitalen Version.

Gibt es einen ungewöhnlichen Fakt über dich?
Vielleicht, dass ich tatsächlich sehr abergläubisch bin. Vor den Rennen ziehe ich beispielsweise immer zuerst meinen linken Handschuh an oder bei Treppen gehe ich die erste Stufe immer mit dem linken Fuß. Eventuell hat das auch ein wenig damit zu tun, dass ich Linkshänder bin.

Wolltest du schon immer Profi-Rennfahrer werden?
Irgendwann mal Profi-Rennfahrer zu sein, habe ich in Kindheitstagen nicht wirklich für möglich gehalten. Als ich jünger war, wollte ich Pilot werden. Fliegen fasziniert mich und ich habe zuhause auch einen kleinen Flugsimulator. Falls mich mal jemand fragt, würde ich mich sogar in einen Kunstflieger setzen. Ich glaube, die Fliehkräfte bei einem Looping machen mir nichts aus.

Welche Träume hast du für deine Zukunft?
Erstmal ist der Titel ein Riesenschritt und hoffentlich ein Erfolg, der mir die ein oder andere Tür öffnen kann. Einen Traum habe ich mir erst kürzlich erfüllt: Ich war beim Saisonfinale des Porsche Carrera Cup North America auf der legendären Road Atlanta und durfte erstmals Rennen in den USA fahren. Durch meinen Sommerurlaub vor einigen Jahren in Los Angeles bin ich großer Fan vom amerikanischen Lifestyle geworden.
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