8/26/2021

Das Porsche Werksteam erkämpft sich nach 24 Stunden Platz 3. Das war Le Mans 2021.

Wenn sich einmal im Jahr die Motorsportelite an der Sarthe versammelt, weiß jeder Fan, welche Stunde geschlagen hat: die 24 Stunden von Le Mans. Sie sind einmalig im Rennkalender und werden von vielen als das ultimative Rennsportereignis des Jahres gesehen. Nachdem die Veranstaltung 2020 noch mit komplett verschlossener Tür stattgefunden hat, waren dieses Jahr 50.000 Zuschauer an der Strecke zugelassen. Natürlich nicht zu vergleichen mit dem Volksfest, das sonst stattfindet – doch Le Mans 2021 fühlte sich wieder ein Stück weit normal an. Und das Sportliche? Das stand natürlich wie immer für Porsche Motorsport an oberster Stelle.

Erst Schrecksekunde, dann Doppel-Pole im Qualifying.

Neben den beiden Porsche Werksfahrzeugen traten in der GTE-Pro-Klasse auch zwei Kundenteams mit einem 911 RSR an: WeatherTech Racing und HubAuto Racing. Letzteres Team erreichte gemeinsam mit den beiden Fahrzeugen der Werksmannschaft das alles entscheidende Hyperpole-Qualifying am Donnerstagabend. Die Bilanz dieser WEC-Saison in puncto Qualifying las sich bis zum Le-Mans-Wochenende einwandfrei. Doch es war der bis dahin unschlagbare Kévin Estre im Porsche 911 RSR #92, der für den Schockmoment des Abends sorgte. Auf seiner ersten schnellen Runde verlor der Franzose die Kontrolle über sein Rennfahrzeug und kollidierte mit der Streckenbegrenzung. Es folgte die rote Flagge und die restlichen Fahrzeuge wurden angewiesen in die Box zurückzukehren. Für die #92 bedeutete dieser Unfall, dass man keine Zeit setzen würde und in der GTE Pro das Feld von hinten erobern müsste. Nachdem die Strecke wieder freigegeben wurde, war es Dries Vanthoor – ja, der kleine Bruder von Porsche Werksfahrer Laurens Vanthoor – im 911 RSR von HubAuto Racing, der „die Runde seines Lebens“ in den Asphalt fuhr. Pole-Position für den jungen Belgier. In der GTE-Am-Klasse war es Porsche Junior Julien Andlauer, der seiner Favoritenrolle gerecht wurde. Der Porsche 911 RSR #88 von Dempsey-Proton Racing ließ der Konkurrenz keine Chance und sicherte dem Kundenteam die Pole-Position.

Nasser Start und schwierige Anfangsphase.

Der rennfreie Freitag kam dem Porsche Werksteam, das von Manthey-Racing betreut wird, zugute: Denn man konnte unter Hochdruck in Windeseile ein komplett neues Chassis für die zerstörte #92 aufbauen und auf dem Flugplatz von Le Mans testen. Ein wahrer Teamerfolg, ohne den die Teilnahme stark gefährdet gewesen wäre. Doch als sich das Team am frühen Samstagmorgen an die Strecke begab, war der Himmel dunkel und die Straßen nass. Es folgte ein Rennstart unter Safety-Car-Bedingungen. Nichtsdestoweniger hatten es die ersten Rennrunden der 89. Ausgabe des 24-Stunden-Klassikers in sich. Die feuchte Strecke beförderte den ein oder anderen Teilnehmer ins Aus. Bei den an der Sarthe besonderen Safety-Car-Phasen hatten die beiden Werkselfer schlichtweg Pech. Kurzer Ausflug in die Besonderheiten von Le Mans: Bei Zwischenfällen in Le Mans werden jeweils drei Safety-Cars gleichzeitig auf die Strecke geschickt. Grund dafür ist die enorme Streckenlänge von 13,626 Kilometern. Das bedeutet jedoch, dass das Starterfeld in drei Gruppen aufgeteilt wird. Wer hinter dem gleichen Safety-Car wie die Spitze fährt, macht Zeit gut. Wer sich hinter einem der anderen Sicherheitsfahrzeuge einreihen muss, hat sofort unverschuldet einen Rückstand von mindestens 90 Sekunden. Und genau das ist den beiden Werkselfern gleich zweimal passiert. Hinzu kam die besondere Eigenschaft des 911 RSR in Kombination mit der Le-Mans-Strecke. In den kurvigen Passagen setzten die Elfer Bestzeit um Bestzeit. Jedoch auf der Geraden – und die ist bekannterweise ja sehr lang in Le Mans – fehlten ein paar km/h zur Konkurrenz.

Unfälle und technische Probleme für die Kundenteams.

Zum Rennpech gesellten sich dann auch noch Unfälle. Für die beiden in der GTE-Pro gestarteten Kundenteams endeten die 24 Stunden von Le Mans vorzeitig. Die #79 von WeatherTech Racing war nach einem Unfall am frühen Sonntagmorgen nicht mehr zu reparieren. Auch die von der Pole-Position gestartete #72 von HubAuto Racing musste mit einem technischen Defekt frühzeitig das Handtuch werfen. In der GTE-Am waren viele Teams ebenfalls nicht mit Rennglück gesegnet: Team Project 1 kam mit beiden 911 RSR ebenso wenig ins Ziel wie die Startnummer #99 von Proton Competition. Das Team GR Racing fiel aufgrund einer langwierigen Reparatur nach einem Unfall weit zurück und beendete das Rennen auf Platz 14.

Teamgeist zahlt sich aus.

Frei nach dem berühmten Le-Mans-Sieger Jacky Ickx („Man gewinnt nicht in Le Mans, sondern Le Mans lässt dich gewinnen“), war es dieses Jahr so, dass Le Mans keinen Porsche gewinnen lassen wollte. Eine Stunde vor Rennende musste der Werkselfer #91 für Reparaturen und einen Bremsentausch in die Box – somit blieb ein interner Kampf um die dritte Position in der GTE-Pro aus. Die #92 konnte nach 24 gefahrenen Stunden einen Podiumsplatz bejubeln. In der GTE-Am hingegen war die #77 von Dempsey-Proton Racing mit Rang 5 der bestplatzierte Porsche. Das Schwesterauto mit der Startnummer #88, das von der Pole-Position in dieser Klasse gestartet war – erreichte Platz 13. Die Kundenmannschaften Absolute Racing und Herberth Motorsport fuhren bei ihrem Le-Mans-Debüt auf die Ränge 7 und 10.

364 Tage Vorbereitung starten jetzt.

Natürlich überwiegt heute im Team noch ein wenig die Enttäuschung, dass man nicht um den Klassensieg mitkämpfen konnte. Doch man weiß ganz genau, dass Le Mans seine ganz eigenen Gesetze schreibt. Es bleibt der Stolz, ein weiteres Mal daran teilgenommen zu haben, und die Gewissheit, dass man im nächsten Jahr wieder alles dafür geben wird, dass Le Mans sich dazu entscheidet, einen Porsche gewinnen zu lassen. Und es wäre nicht das Team Porsche, wenn man die Vorbereitung für das kommende Jahr nicht schon auf der Heimfahrt starten würde. Wir danken allen Partnern, Kundenteams, Verantwortlichen und Markenfans für ihre Unterstützung. Wir sind alle das #TeamPorsche.

Ergebnisse GTE-Pro:

1. Calado/Pier Guidi/Ledogar (GB/I/F), AF Corse, Ferrari 488 GTE, #51, 345 Runden
2. Garcia/Taylor/Catsburg (E/USA/NL), Corvette Racing, Corvette C8.R, #63, 345 Runden
3.Estre/Jani/Christensen (F/CH/DK), Porsche GT Team, Porsche 911 RSR, #92, 344 Runden
4. Lietz/Bruni/Makowiecki (A/I/F), Porsche GT Team, Porsche 911 RSR, #91, 343 Runden
5. Serra/Molina/Bird (BR/E/GB), AF Corse, Ferrari 488 GTE, #52, 331 Runden
6. Milner/Tandy/Sims (USA/GB/GB), Corvette Racing, Corvette C8.R, #64, 313 Runden
7. Martin/Parente/D. Vanthoor (B/P/B), HubAuto Racing, Porsche 911 RSR, #72, 227 Runden
8. MacNeil/Bamber/L. Vanthoor (USA/NZ/B), WeatherTech Racing, Porsche 911 RSR, #79, 139 Runden

Ergebnisse GTE-Am

1. Perrodo/Nielsen/Rovera (F/DK/I), AF Corse, Ferrari 488 GTE, #83, 340 Runden
2. Keating/Pereira/Fraga (USA/L/BR), TF Sport, Aston Martin Vantage, #33, 339 Runden
3. Cressoni/Mastronardi/Illot (I/I/GB), Iron Lynx, Ferrari 488 GTE, #80, 338 Runden
5. Ried/Campbell/Evans (D/AUS/NZ), Dempsey-Proton Racing, Porsche 911 RSR, #77, 335 Runden
7. Haryanto/Picariello/Seefried (RI/B/D), Absolute Racing, Porsche 911 RSR, #18, 332 Runden
10. Renauer/Ineichen/Bohn (D/CH/D), Herberth Motorsport, Porsche 911 RSR, #69, 330 Runden
13. Andlauer/Bastien/Arnold (F/USA/D), Dempsey-Proton Racing, Porsche 911 RSR, #88, 327 Runden
14. Wainwright/Barker/Gamble (GB/GB/GB), GR Racing, Porsche 911 RSR, #86, 322 Runden
16. Olsen/Buchardt/Foley (N/N/USA), Team Project 1, Porsche 911 RSR, #46, 138 Runden
21. Perfetti/Cairoli/Pera (N/I/I), Team Project 1, Porsche 911 RSR, #56, 84 Runden
22. Inthraphuvasak/Latorre/Tincknell (T/F/GB), Proton Competition, Porsche 911 RSR, #99, 66 Runden
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