6/1/2021

Zooming In: Wenn Gummi auf Asphalt trifft.

Willkommen bei Zooming In: Dem Insider-Blick auf die Technik und Expertise hinter dem TAG Heuer Porsche Formel E Team. In dieser Folge geht es um die speziell für die Formel E entwickelten Reifen und wie sie uns dabei helfen, unsere Träume auf Kurs zu halten.

Seit die Formel E die Welt des Motorsports elektrifiziert hat, begeistert sie Sportfans und Technikliebhaber gleichermaßen. In fast allen technischen Bereichen sieht man kontinuierlichen Fortschritt, vom Fahrer-Halo bis zum Lenkrad, von den Bremssystemen bis zu den Batterien. Aber wie weit kann man bei einem Reifen gehen? Wir haben Matteo Marini - Senior Vehicle Dynamics & Tyres Engineer im TAG Heuer Porsche Formel E Team – gefragt, was die Reifen der Formel E so einzigartig macht.

 

Es ist wenig überraschend, dass sie sich stark von denen anderer Rennserien unterscheiden. Zunächst einmal sind sie im Wettbewerb standardisiert. Die Reifengrößen sind bei allen Teams identisch. Die Breite des vorderen Reifens beträgt 245mm, während die Breite des hinteren Reifens bei 305mm liegt. Dadurch erhält der Fahrer genügend Footprint (die Fläche vom Reifen, die mit der Straße in Berührung kommt), um die Kraft des Motors in Vorwärtsschub umzuwandeln, ohne die Traktion zu verlieren, während die Lenkgenauigkeit beibehalten wird.

 

Die vielleicht größte Überraschung ist, dass im Gegensatz zu anderen Rennserien bei der Formel E kein Reifenwechsel stattfindet (außer bei beschädigten Reifen). Da es keine Möglichkeit gibt, von «Slicks» bei Trockenheit auf Regenreifen zu wechseln, müssen Formel E Reifen für jedes Wetter geeignet sein. Um durch die ganze Welt transportiert zu werden, Bedingungen von heiß bis kalt, nass bis trocken und allem was dazwischen liegt zu trotzen, müssen Formel E Reifen dazu noch widerstandsfähig genug sein, um ein komplettes Rennwochenende mit durchschnittlich 200km zu überstehen – ohne dabei zu versagen.

 

Doch allein ein guter Allrounder zu sein reicht nicht aus, vielmehr müssen die Reifen noch präziser entwickelt werden. Die Lauffläche muss nicht nur Wasser verteilen können, sie muss auch bei trockenen Bedingungen genug Grip bieten. Das bedeutet, die perfekte Gummimischung zu finden: weich genug nach dem Aufwärmen, und gleichzeitig robust genug, um sich vor der Ziellinie nicht aufzulösen. Zu all dem gesellen sich noch die Stadtkurse, die mit all ihren Besonderheiten wie Kanalabdeckungen und Streckenbanden für weitere Belastungen am Reifen sorgen.

 

Laut Matteo kann die optimale Performance der Reifen das gesamte Rennen bestimmen. Der Fahrer muss sowohl im freien Training als auch im Rennen strategisch entscheiden, wie und wo die Reifen auf den angestrebten Betriebszustand gebracht werden. Bedenkt man, dass der Grip eines Reifens in jedem Rennen um bis zu 30% variieren kann, wird einem schnell klar wie wichtig es ist, zu jeder Zeit über den Zustand des Reifens im Bilde zu sein. Denn das ist wortwörtlich der Moment, wenn das Gummi auf Asphalt trifft.

 

Wir hoffen, dass Ihnen der Einblick in die Technologie, die unsere Welt antreibt, gefallen hat. 
Bis zur nächsten Episode von Zooming In!

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