10/20/2020

Agostino Rizzardi: Ein Leben zwischen Extrem-Rallyes und gutem Wein

Der italienische Wein-Unternehmer Agostino Rizzardi bestreitet in seiner Freizeit mit einem modifizierten Porsche 964 die härtesten Rallyes der Welt. Uns verriet er, welche vier Charaktereigenschaften und Fähigkeiten man für diese extreme Form des Motorsports benötigt – und inwiefern diese auch in der Businesswelt entscheidend sind.

Sand, der aufwirbelt und jede Oberfläche bedeckt. Sengende Hitze, die jede Faser des Körpers anstrengt. Ein extrem hoher, mentaler Druck, innerhalb von nur einem Tag eine Distanz von 500 bis 700 Kilometer auf anspruchsvollem Gelände zurückzulegen. Und dazu die ständige Konzentration, ohne die schnell ein folgenschwerer Fehler passieren kann. Keine Frage, es erfordert starke körperliche und charakterliche Eigenschaften, ein Rally Raid zu bestreiten. Für diese besondere Form einer Langstreckenrallye, bei der die meisten Streckenteile fernab befestigter Straßen entlangführen, begeistert sich Agostino Rizzardi. Der Italiener brennt für Motorsport – und das schon seit über 25 Jahren.

Für den einen oder anderen Weinkenner ist sein Nachname sicherlich ein Begriff: Seit 1678 existiert das Familienweingut in Bardolino am Gardasee. Vor etwa 20 Jahren übernahmen Rizzardi und sein Bruder die traditionsreichen Unternehmensgeschäfte und bauen diese seitdem erfolgreich aus. Trotz der vielen Arbeit nimmt sich der Abenteuerjäger im Durchschnitt zwei- bis dreimal im Jahr die Zeit, mit seinem modifizierten Porsche 964 an schweißtreibenden Marathonrallyes in Ländern wie Marokko, Tunesien oder Libyen teilzunehmen.

Warum genau er das macht? Mit der Antwort tut sich sogar Rizzardi selbst etwas schwer: »Ich weiß nicht genau, warum ich so viel Mühe, Geld, Zeit und Manpower investiere. Aber es gibt mir ein gutes Gefühl. Und die Möglichkeit, meine Fähigkeiten richtig einzusetzen.«

Damit meint er Fähigkeiten, die man nicht nur benötigt, um harte Etappen über Sand, Geröll, durch Wasser und Schlamm zu meistern, sondern auch, um erfolgreich ein Unternehmen zu führen. »Es beginnt mit einem ordentlichen Organisationstalent. Denn das Autofahren ist nur ein Teil, der spaßigste Teil, der gesamten Mission. Ich fange im Schnitt drei Monate vor einer Rallye mit der Vorbereitung an – spätestens.« Eine strukturierte Vorgehensweise und planerische Weitsicht seien demnach unabdingbar, um letzten Endes ein einsatzfähiges Auto, genügend Ersatzteile und Reifen sowie ein kompetentes Team von Mechanikern an der richtigen Stelle zu haben.

»Zweitens muss man psychisch und emotional stabil sein.« Ohne diese Eigenschaft ließen sich die stundenlangen Fahrten unter extremen Bedingungen nicht aushalten. »Es ist immer essenziell, eine gute Beziehung zu sich selbst und natürlich auch zum Rest des Teams zu haben.« Denn ohne Zusammenhalt funktioniere rein gar nichts. Ebenso wenig ohne die Fähigkeit, schnell adaptieren zu können: »Du musst ein Experte sein in Themen wie Mechanik, Navigation und im Allgemeinen darin, ständig neue Herausforderungen zu bewältigen.« Denn manchmal ändere sich die Umgebung binnen Minuten – aus Sand wird Gestein oder man muss plötzlich einen reißenden Fluss durchqueren. Auch auf das richtige Bauchgefühl komme es an: »Wenn ich drei gleichwertige Optionen habe beziehungsweise drei Routen, die ich fahren kann, muss ich intuitiv die richtige wählen.«

Die letzte Eigenschaft, die einen guten Rallyefahrer Rizzardi zufolge ausmachen, liest sich so simpel wie logisch: »Du musst schnell sein. Denn alle anderen Eigenschaften bringen dir nichts, wenn du nicht schnell genug bist.« Dabei gehe es dem Motorsport-Enthusiasten nicht unbedingt darum, Rallyes zu gewinnen, sondern sich ständig zu verbessern: »Als ich 2009 damit anfing, fuhr ich ganz hinten mit.« Inzwischen gelang ihm der eine oder andere Klassensieg – der Beweis für die Tatsache, dass er stetig an diesen Herausforderungen wachse.

Im Übrigen überwiege bei Agostino Rizzardi momentan sowieso ein ganz anderes Verlangen den Traum eines möglichen Rallye-Raid-Sieges: »Ich wünsche mir einen Porsche 959 S – mein absolutes Traumauto. Den würde ich nicht nur wegstellen, sondern auch tatsächlich fahren. Dafür wurden diese Autos ja schließlich gebaut.« Und während der Suche nach diesem Schmuckstück bereitet sich Rizzardi dann auch gleich schon wieder auf das nächste Abenteuer vor: Sofern alles wie geplant läuft, wird er im kommenden April an der Marocco Desert Challenge teilnehmen. 3000 Kilometer in acht Tagen. Dafür beginnt er bereits im November mit Fahrwerksabstimmungen in Tunesien – spätestens.

Fotocredits Home Story: Matthias Mederer / ramp.pictures

Fotocredits Dynamic Rallye Shots: Courtesy of Agostino Rizzardi

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