9/16/2020

Die Frau mit der Geheimwaffe

Es ist das Schönste für mich, wenn man einen Porsche am Limit bewegt.

Porsche Werksfahrerin

Simona De Silvestro ist die erste weibliche Werksfahrerin für Porsche. Mit ihrem Know-how unterstützt sie das Formel E-Team. Die Schweizerin ist vielseitig, erfahren und jetzt auch selbst in der GT-Rennserie am Start. Mit Porsche möchte sie Geschichte schreiben und das mit ihrer ganz besonderen „Geheimwaffe“.

Für Porsche Rennen zu fahren ist alles für sie. Jeden Tag steht sie vor dem Spiegel und zwickt sich. Immer wenn der Motor angeht, lächelt sie vor Freude. Das Kribbeln vor dem Start. Im Rennen dann eine Glückseligkeit, die sie mit nichts anderem vergleichen kann. „Es ist das Schönste für mich, wenn man eine Maschine am Limit bewegt“, so Simona De Silvestro. Genau das tut sie seit dieser Saison für Porsche bei den ADAC GT Masters. Im 911 GT3 sorgt sie mit ihrem Rennstall „KÜS Team 75 Bernhard“ für Furore. Vordere und mittlere Plätze hat sie mit einer guten Beständigkeit in den wenigen Läufen bereits eingefahren. „The road is not easy“, sagt sie über den Job als Rennfahrerin, „aber wenn man daran glaubt und viel an sich arbeitet, dann öffnet sich immer eine Tür.“ Im exklusiven Gespräch für den Porsche Circle switcht sie immer wieder vom Deutschen ins Englische. Das hat einen guten Grund.

Vom besten Rookie bis zur GT-Rennserie

Mit ihren 32 Jahren gehört sie zu den schnellsten Rennfahrerinnen der Welt. Und zu den erfahrensten. Kaum ein männlicher Kollege in diesem Alter hat schon so viel erlebt wie sie. Tatsächlich hat die 1,71 Meter große Schweizerin jede Tür, die sich geöffnet hat, genutzt. Mit 17 Jahren geht sie in die USA. Sie fährt die Atlantic-Meisterschaft und die Indycar-Serie. „Swiss Miss“ nennen sie die Amerikaner, als sie bei den berühmten 500 Meilen von Indianapolis gar zum besten Rookie gewählt wird. Genau dort erlebt sie ein Jahr später, 2011, ihren Alptraum: Die Aufhängung ihres Autos kollabiert, sie kracht in die Mauer, das Fahrzeug geht in Flammen auf. Simona De Silvestro hat Glück und schafft trotz Verbrennungen an den Händen tags darauf noch die Qualifikation. Von nun an wird sie voller Respekt und fast schon heldenhaft „Iron Maiden“ genannt. Ihr größter Erfolg: Zwei Jahre danach steigt sie in Houston gar auf das Podest und wird Zweite.

Seit 2019 gehört sie nun zum Kader des Porsche Werksteams und unterstützt als Test- und Entwicklungsfahrerin das Team in der Formel E. Und jetzt fährt sie, wie sie selbst sagt, in der härtesten und coolsten GT-Rennserie. Nach 12 Jahren fast nur Übersee mache es riesig Spaß, wieder in Europa an den Start zu gehen.

Kühl im Kopf und warm im Herzen

Simona De Silvestro genießt großes Ansehen in den Boxengassen der Welt. Über ihre Erfolge redet sie äußerst ungern. Das ist Vergangenheit. Ihr Fokus liegt immer auf dem kommenden Rennen. Was sie so schnell macht? Sie schmunzelt, zuckt mit den Schultern und hat keine Antwort auf die Frage. Irgendwann später sagt sie in einem Nebensatz: „Als Rennfahrerin habe ich immer das Gefühl, dass ich etwas verpasse. Weil ich gern in dem ein oder anderen Rennen woanders auch fahren möchte“. Vielleicht ist das die Antwort. Ihr ständiger Antrieb und ihre Motivation, alles zu geben. Die Lust, immer und überall fahren zu wollen. Das macht sie schnell. Und noch etwas: „Meine Geheimwaffe könnte sein, dass ich Dinge manchmal überlegter angehe als die Jungs.“ Kühl im Kopf und warm im Herzen ist stets eine erfolgreiche Kombination im Sport.

Simona De Silvestro geht längst schon in die Geschichtsbücher ein – als erste Frau im Rennsport bei Porsche. Sie hat es schon weit gebracht, will aber mehr. Ihr größtes Ziel: „Ich hoffe, dass ich noch ganz viel Geschichte mit Porsche schreiben kann.“

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