9/15/2020

Le Mans – time to get started.

Es liegt in der Natur des Menschen, sich zu messen. Und seit der technologische Fortschritt Einzug in unser Leben gehalten hat, finden sich ständig neue Wege und Möglichkeiten. Manche jedoch begleiten uns seit fast 100 Jahren. 97 Jahre, um genau zu sein, denn der Startschuss zum ersten 24-Stunden-Rennen der Welt fiel 1923 in Le Mans.

Der erste Motorsport-Grand-Prix in der Geschichte fand jedoch schon 1906 statt. Ebenfalls in Le Mans. Der große Preis von Frankreich. Und doch dauerte es noch 17 weitere Jahre, bis sich die Idee der 24- Stunden-Rennen im Wettbewerb eins gegen eins für die Ewigkeit manifestierte.

1923. Das erste 24-Stunden-Rennen der Welt.

Was als Langstreckenrennen geplant war, um Automobilherstellern die Möglichkeit zu geben, die Zuverlässigkeit und den Entwicklungsstand ihrer Fahrzeuge unter Beweis zu stellen, hat sich zu einem Mythos entwickelt, der Porsche seit Sekunde eins in seinen Bann zieht.

Seit 1923 auf dem Circuit des 24 Heures südlich von Le Mans ausgetragen, reichte die Strecke ursprünglich mit einer Länge von 17,3 Kilometern bis in die Innenstadt von Le Mans und wurde erst 1932 auf einen 13,5 km langen Verlauf gekürzt. Heute beträgt die Streckenlänge 13,6 Kilometer und besteht nach wie vor zum größten Teil aus öffentlichen Landstraßen.

Kurz nach dem Start geht es an einer der Ikonen der Strecke vorbei bzw. darunter hindurch: die Dunlop-Brücke. Einst als Werbeidee gedacht, ist sie heute die älteste Dunlop-Brücke aller Rennstrecken. Und nach wie vor untrennbar mit Le Mans verbunden.

Nachdem die Fahrer den Bugatti Circuit gemeistert haben, geht es in die Tetre Rouge. Die alles entscheidende Rechtskurve, um mit der richtigen Geschwindigkeit in die lange Gerade starten zu können. Direkt vorher noch hart am Gas, wird die Kurve bei mittlerer Geschwindigkeit kurz angebremst. Die Krux liegt hier in der richtigen Mischung von Streckenbegrenzung und Ideallinie.

Danach wird es schnell: Die sowohl berühmteste als auch berüchtigtste, 5 Kilometer lange Gerade liegt vor den Fahrern und eine solche Gerade findet sich so nur noch in Le Mans. Die „Ligne Droite des Hunaudières“ oder auch „Mulsanne Straight“. 1990 wurden hier noch Spitzengeschwindigkeiten von 400 km/h gemessen. Doch aus Sicherheitsgründen wurde sie um 2 Schikanen erweitert. Die Spitzengeschwindigkeiten haben sich auf diesem Teilstück mittlerweile bei 340 km/h eingependelt. Das Ende der langen Gerade bildet die Mulsanne-Rechtskurve, die namensgebend für die Gerade ist.

Nach der Mulsanne biegen die Fahrer erneut auf eine Gerade ein, die sie zur berühmten Kurvenabfolge Indianapolis 1 und 2 sowie Arnage bringt. Gerade der schnelle Richtungswechsel bei der Einfahrt in die Indianapolis 1 ist eine große Herausforderung. Hier müssen die Fahrer so weit wie möglich rechts anfahren, um sich für die Linkskurve richtig zu positionieren. Die Indianapolis 2 hingegen wird mit einer Geschwindigkeit von ca. 120 km/h gefahren. Das Besondere an der Indianapolis 2 ist das so genannte „banking“ – ein Abfall der Kurve zum Inneren hin. Die Fahrer geben hier sehr früh in der Kurve Gas, um keine Zeit im Anflug auf die Arnage zu verlieren, die einen 90-Grad-Winkel beschreibt und relativ langsam gefahren wird.

Einer der härtesten Streckenabschnitte für Mensch und Maschine ist die Passage rund um die Porsche Kurven im letzten Viertel der Strecke. Während der Linksknick noch in atemberaubender Geschwindigkeit – mit Vollgas – genommen wird, muss die darauffolgende Rechtskurve leicht angebremst werden. Mit viel Schwung gilt es, den Rennwagen am Kurvenausgang perfekt zu positionieren, um die 2 nun folgenden Linkskurven so schnell wie möglich zu durchfahren. Mut und Vertrauen in das eigene Fahrzeug sind die besten Ratgeber, um die Geschwindigkeit in dieser Kombination hoch zu halten.

Nach diesem gleichermaßen anspruchsvollen wie auch beliebten Streckenabschnitt heißt es lediglich noch, die 2 Schikanen zu meistern: Kann man die erste Schikane noch mit relativ hoher Geschwindigkeit durchfahren, gilt es bei der zweiten, den Bremspunkt perfekt zu treffen, um möglichst früh wieder am Gas zu sein. Diesen Schwung nutzen die Rennfahrer aus, um auf der langen Start-Ziel-Geraden vor den Teams vorbeizufahren. Ein Spektakel, das man aus dem Porsche Experience Center an dieser Stelle wunderbar verfolgen kann.

Porsche und Le Mans.

Seit sich Porsche im Jahr 1951 zum ersten Mal in die Startaufstellung des Langstreckenklassikers einreihte und mit dem 356 SL auf Anhieb einen Klassensieg einfuhr, ist Le Mans für Porsche ein magischer Ort. Und spätestens 1970, als Richard Attwood und Hans Herrmann mit dem 917 KH zum ersten Porsche Gesamtsieg fuhren, startete für Porsche eine ganz besondere Beziehung mit dem Rennen an der Sarthe. Mit insgesamt 19 Gesamtsiegen und unzähligen Klassensiegen treten wir 2020 wieder an, um die Geschichte weiterzuschreiben.

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