9/8/2020

„Das war eine spezielle Herausforderung.“

Im zweiten Teil des großen Interviews spricht Malte Huneke über das besondere Formel E Finale in Berlin.

Das Saisonfinale in Berlin war dieses Jahr besonders – wo lag der Unterschied zu den bisherigen Rennen?

Malte Huneke: Der größte Unterschied war für uns die unglaublich kurze Abfolge der Rennen. Das hat es aber auch wahnsinnig interessant gemacht. Besonders, wenn man zweimal auf dem gleichen Layout fährt. Manchmal zieht man Schlussfolgerungen nach einem Rennen und sagt: „Ok, da haben wir etwas falsch gemacht. Das machen wir nächstes Mal besser.“ Nur hat man selten die Chance, das kurz danach auf der gleichen Strecke nachzuweisen und zu sehen, ob eine bestimmte Ursache wirklich der Grund für Performance-Nachteile war. Berlin war eine sehr gute Gelegenheit, um zu lernen. Die Eindrücke waren frisch und man hat direkt weitergearbeitet. Machte seine Analysen, zog Schlussfolgerungen und konnte das direkt umsetzen. Es war echt einmalig.

Das stimmt. Wie hast du dich auf das Finale und die neue Belastung vorbereitet? Hast du etwas anders gemacht als sonst?

Malte Huneke: Die Vorbereitungsarbeit war für das ganze Team eigentlich ähnlich wie sonst auch. Nur mit dem großen Unterschied, dass wir uns auf 3 Layouts gleichzeitig vorbereiten mussten. Daher haben wir extrem viel Zeit im Simulator verbracht. Und das begleite ich natürlich. So stimme ich mich auch auf das Event ein und mache mich vertraut mit den Herausforderungen. Ich schaue, wie haben wir uns auf die einzelnen Layouts vorbereitet bezüglich Fahrzeug- und Software-Set-up. So komme ich immer gut in den Rennmodus. Aber letztlich war es nicht anders als für andere Events auch.

Du hast es eben schon kurz angesprochen: Was sind deine konkreten Aufgaben als technischer Leiter vor, während und nach bzw. zwischen den Rennen?

Malte Huneke: Während des Rennens ist die wichtigste Sache, dass ich den Überblick behalte, was Technik, Software und Set-up angeht. Ich muss sicherstellen, dass alle Experten in die Auswertarbeiten und das Ziehen von Schlussfolgerungen eingebunden sind. Das wir uns als Team möglichst optimal weiterentwickeln. Dann muss ich immer zur Verfügung stehen und schauen, ob wir alles auf dem Schirm haben oder ich stehe als Sparringspartner für Überlegungen bereit. Natürlich liegt während des Rennens sehr viel in den Händen der Renn- und Performanceingenieure. Was ich zusätzlich noch mache, ist, das Renngeschehen beobachten und Informationen vom Heimteam verarbeiten. Ich diene hier als Schnittstelle zu Heimteam, gebe Informationen weiter und habe hauptsächlich kommunikative Aufgaben während des Rennens. Ansonsten ist es ein Spiel zwischen dem Renningenieur und seinem Fahrer.

Wenn es perfekt läuft, dann muss ich nichts sagen, nicht eingreifen. Dann bin ich einfach nur da.

Hast du Möglichkeiten, während eines Rennens aktiv einzugreifen?

Malte Huneke: Ja, die habe ich. Aber idealerweise muss ich sie nicht nutzen. Beispielsweise habe ich die Möglichkeit, dem Renningenieur zu sagen: „Schau mal, jetzt wäre es geschickt, den Attack Mode zu nehmen.“ Aber das weiß er natürlich immer selbst. Doch wenn ich sehe, da tun sich Lücken auf und ich merke, die Situation ist nicht komplett unter Beobachtung, dann kann ich diese Informationen weitergeben und so ins Rennen eingreifen. Aber wenn es perfekt läuft, dann muss ich nichts sagen, nicht eingreifen. Dann bin ich einfach nur da (lacht).

9 Tage, 6 Rennen, 3 Strecken: Welche Rolle haben die Variationen des Streckenlayouts gespielt?

Malte Huneke: Das ist eine gute Frage! Im Wesentlichen haben diese sich auf die Vorbereitungsarbeit ausgewirkt. Normalerweise haben wir nur 1 Layout vorzubereiten, jetzt hatten wir 3 – das war eine spezielle Herausforderung. Wir mussten die Kernpunkte jedes Layouts im Kopf haben. Und natürlich die Randbedingung auf jedem speziellen Layout: wie sind die Zusammenhänge von Energie zu Rundenzeit und all diese Geschichten. Das hat Berlin speziell gemacht.

Welches Fazit ziehst du nach der ersten Saison?

Malte Huneke: Insgesamt bin ich happy, dass wir grundsätzlich Performance haben und sie abrufen können. Und ich bin happy, dass wir uns im Laufe der Saison weiterentwickelt haben. Das ist in einer Rookie-Saison immer das Kritischste. Wir haben es immer geschafft, uns in den Punkten zu verbessern, in denen wir es wollten – wie beispielsweise in der Rennperformance. Das Wichtigste ist eigentlich für mich, dass wir als Team in der Lage waren, uns im laufenden Wettbewerb weiterzuentwickeln. Trotzdem haben wir natürlich noch viel zu verbessern.

Wie geht es für euch nach dem Finale in Berlin weiter? Was machst du persönlich und wie ist der Plan fürs Team?

Malte Huneke: Es geht schon relativ bald weiter mit dem Testbetrieb. Das heißt, die Vorbereitungen auf die Saison 7 laufen schon auf Hochtouren. Wie bereits erwähnt, hatten wir auch schon Testtage. Diese Arbeit geht jetzt ungebremst weiter. Ich persönlich habe ein schulpflichtiges Kind und ein Kindergartenkind und mache jetzt nach Berlin Sommerferien (lacht).

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