9/3/2020

Erneute Wende im Titelkampf.

Spa, Satz, Sieg für Ayhancan Güven! Er hielt dem Druck einer ganzen Gruppe nervenstark stand und holte sich in den Ardennen den zweiten Saisonsieg. Spannung im Meisterschaftskampf: Dylan Pereira geht mit knappem Vorsprung auf Larry ten Voorde ins Finale!

Er kann es auch außerhalb von Silverstone: Porsche-Junior #22 Ayhancan Güven (TUR/Martinet by Alméras) landete auf dem Circuit de Spa-Francorchamps seinen zweitenSaisonsieg im Porsche Mobil 1 Supercup 2020, den dritten seiner Supercup-Karriere und den ersten auf dem europäischen Festland. Dafür musste er sich lange neun Runden gegen den 2. Porsche-Junior im Feld verteidigen: #1 Jaxon Evans (NZL/BWT Lechner Racing). In den letzten beiden Umläufen saß ihm dann #2 Dylan Pereira (LUX/BWT Lechner Racing) im Nacken, der das Rennen auf Position zwei beendete und damit wieder die Führung in der Meisterschaftübernahm.

In Spa zu gewinnen ist großartig! Gegen Rennende hatte ich kleinere Probleme mit der Balance meines Autos. Aber zum Glück konnte ich erst Jaxon Evans und dann Dylan Pereira hinter mir halten.

TUR/Martinet by Alméras

Der türkische Porsche-Junior legte ein fast perfektes Wochenende hin: Bestzeiten im von einem Regenschauer verkürzten Freien Training, Pole Position im Qualifying und Siegim Rennen. Lediglich die schnellste Runde luchste ihm Pereira ab. Vorentscheidend für einen Sieg auf dem legendären Circuit de Spa Francorchamps ist der Start, der sich traditionell bis zur Schikane Les Combes zieht. Doch auch aus dem Windschatten heraus gab es erstaunlich wenige Angriffe in der ersten Runde. So sortierte sich Güven vor Evans und Pereira ein. In dieser Reihenfolge ging es dann durch neun von elf Runden, in denen das Paket zusammenblieb.

Pereira jagt Evans in einen Fehler.

Evans attackierte Güven einmal in Runde 5 vor Les Combes, dann aber musste er sich auf das Verteidigen gegen Pereira konzentrieren. Der Luxemburger, der zuletzt in Barcelona die Tabellenführung an #25 Larry ten Voorde (NED/Team GP Elite) hatte abgeben müssen, kam regelmäßig besser durch Eau Rouge und Raidillon. In die Senke laufen die 485 PS starken Porsche 911 GT3 Cup im fünften Gang in den Drehzahlbegrenzer, bevor es durch den langgezogenen Bogen rechts steil bergauf geht. Ausgangs Raidillon hatte Pereira mehrmals etwas mehr Schwung, konnte diesen aber nie in einen Positionsgewinn umsetzen, weil Evans meisterhaft vor Les Combes verteidigte.

Bis zur vorletzten Runde. Plötzlich verbremste sich Evans vor der Schikane am Ende der Kemmel-Geraden und musste in den Notausgang ausweichen. Glück im Unglück: Es kostete ihn erstmal nur eine Position gegen Pereira. Dieser schickte sich sofort an, auf Sieg zu gehen – wohl wissend, dass vier Punkte Vorsprung in der Meisterschaft vor der Windschattenschlacht von Monza kein beruhigendes Polster sein würden. Mit der schnellsten Runde in 2:24.868 Minuten arbeitete er sich an Güven heran. Doch dieser ließ sich nicht beeindrucken und fuhr den Sieg mit 0,608 Sekunden Vorsprung nach Hause.

Ich war schneller als Ayhancan. Aber für eine Attacke hat es nicht mehr gereicht.

LUX/BWT Lechner Racing

In der letzten Runde leistete sich Evans derweil einen zweiten Verbremser in der Fagnes-Kurve(auch bekannt unter dem Namen "Pif-Paf"), der ihn schließlich noch Rang drei kostete.

Ich hatte mir durch das blockierende Rad einen Bremsplatten eingefangen. Danach lief mein Auto natürlich nicht mehr optimal.

NLZ/BWT Lechner Racing

So schnappte sich #33 Florian Latorre (FRA/CLRT) eine halbe Runde vor Schluss Platz drei.Der Franzose hatte das gesamte Rennen über Anschluss an die Top 3 und roch nach dem ersten Ausritt von Evans seine Chance, den durch den Bremsplatten angeschlagenen Porsche-Junior noch zu kassieren. Mit einem sauberen Überholmanöver in der letzten Runde holte er den ersten Podestplatz für das Team des Rennfahrers Côme Ledogar im Porsche Mobil 1 Supercup – eine starke Leistung für die erste Saison von CLRT.

Das freut mich riesig für unser Team, das neu im Porsche Mobil 1 Supercup ist. Darauf haben wir das ganze Jahr gewartet.

FRA/CLRT

Ten Voorde und Köhler geraten aneinander.

Erst auf Position fünf kam ten Voorde ins Ziel. Team GP Elite tat sich auf der längstenRennstrecke des Kalenders (7,004 Kilometer) etwas schwerer als zuletzt in Silverstone und Barcelona. Von Startplatz sechs machte der Niederländer schnell eine Position gut, ging dabei aber recht handfest zur Sache: Er überfiel eingangs der zweiten Runde Rookie #3 Leon Köhler (GER/Lechner Racing Middle East) in La Source und berührte ihn. Der wollte aber nicht nachgeben und so ging es Seite an Seite in die Eau Rouge. Hier kam es erneut zum Kontakt,diesmal mit heftigeren Auswirkungen. Köhlers rechter Vorderreifen wurde beschädigt und der junge Deutsche verfehlte die Mauer nur knapp. Sein Aus war jedoch besiegelt.

Nebeneinander in die Eau Rouge war keine gute Idee. Rennen fahren heißt leider auch, auf die harte Tour zu lernen.

GER/Lechner Racing Middle East

Ten Voorde fuhr unbeirrt weiter. Er musste noch einen Angriff seines Landsmannes #5 Jaapvan Lagen (NED/FACH AUTO TECH) abwehren, danach konnte er Platz fünf nach Hause bringen, gefolgt vom "Snellen Japie" und #23 Marvin Klein (FRA/Martinet by Alméras), der durch das Aus von Köhler den Rookie-Sieg davontrug.

Was für ein Hammer-Rennen, das hat wirklich Spaß gemacht.

NED/Team GP Elite

Vielversprechender Serienneuling gleich in den Top 10.

Auch dahinter gab es eine kontroverse Kollision: #10 Marius Nakken (NOR/Dinamic Motorsport) war auf der achten Position unterwegs, als er in La Source scharf von #32 AdamEteki (FRA/CLRT) torpediert wurde. Nakken konnte nach einem Dreher weiterfahren und wurde Fünfzehnter. Eteki erhielt für die Kollision eine Zeitstrafe von zehn Sekunden, doch das Karma regelte schneller: Ein Reifenschaden warf den Franzosen auf Platz 23 zurück.

So erbte Rookie #24 Max van Splunteren (NED/Team GP Elite) den achten Platz, dicht gefolgt vom nächsten Rookie #4 Jean-Baptiste Simmenauer (FRA/Lechner Racing Middle East). Dieser hatte ein durchwachsenes Qualifying absolviert und ging nur von Startplatz 16 ins Rennen. Dort bewies er dann Schnelligkeit gepaart mit Cleverness: Er nutzte mehrere Kämpfe vor sich zu seinen Gunsten aus und machte sieben Positionen gut – ein beeindruckendes Rennen für den 19-jährigen Rookie.

Mindestens genauso beeindruckend war der zehnte Platz von #35 Loek Hartog (NED/Bas Koeten Racing Team). Der gerade einmal zarte 17 Jahre junge Niederländer hatte schon beiseinem Gastauftritt in der Porsche Mobil 1 Supercup Virtual Edition im April mit einem 4. Platz auf sich aufmerksam gemacht. Jetzt fuhr er in seinem allerersten Rennen im internationalsten aller Porsche Markenpokale in die Top 10 – und das auf der anspruchsvollsten Strecke im Kalender. Noch ein Name, den man für die Zukunft auf der Rechnung haben sollte, nachdem bereits so viele Nachwuchsrennfahrer in diesem Jahr im Porsche Mobil 1 Supercup mit Spitzenleistungen auf sich aufmerksam gemacht haben.

Premierensieg für ProAm-Fahrer Denoual.

Genau dreimal so alt wie Hartog ist #19 Stéphane Denoual (FRA/Pierre Martinet by Alméras). 51 Jahre Lebenserfahrung sind jedoch kein Hinderungsgrund, einen Porsche 911 GT3 Cup schnell zu bewegen. Das stellte er mit seinem ersten Sieg in der ProAm-Wertung eindrucksvoll unter Beweis. Platz zwei ging an #12 Philipp Sager (AUT/Dinamic Motorsport), während Dauersieger #20 Roar Lindland (NOR/Pierre Martinet by Alméras) sich diesmal mit Platz drei begnügen musste. Grund zum Jubeln hatte er trotzdem: Der dritte Platz reichte aus, um sich den ProAm-Titel der Porsche Mobil 1 Supercup Saison 2020 zu sichern.

Es ist ein Traum, vor dem letzten Rennen den Titel zu holen.

NOR/Pierre Martinet by Alméras

Die erste Meisterschaft wäre damit entschieden. Doch beim 8. und letzten Lauf im Königlichen Park von Monza in wenigen Tagen könnte die Ausgangslage kaum spannender sein: Pereira bringt vier Punkte Vorsprung in der Meisterschaft auf ten Voorde mit – beide müssen also auf Sieg fahren, wollen sie den Titel sicher erringen. Und auch die Rookie-und Teamwertung ist noch völlig offen. Die Vorfreude auf das  #GrandeFinale im Autodromo Nazionale Monza ist daher riesig!

Gesamtplatzierung 7. Runde Porsche Mobil 1 Supercup, Spa-Francorchamps

PositionEntry No. DriverNationTotal PointsPoints Round 6Points Round 7
12Dylan PereiraLUX1341720
225Larry ten VoordeNLD1302512
322Ayhancan GüvenTUR113825
41Jaxon EvansNZL962014
533Florian LatorreFRA851417
624Max van SplunterenNLD71128
723Marvin KleinFRA6879
83Leon KöhlerDEU56100 (DNC)
94Jean-Baptiste SimmenauerFRA550 (DNC)7
105Jaap van LagenNLD42910
1110Marius NakkenNOR3563
126Jordan LoveAUS3556
1315Jukka HonkavuoriFIN2045
1430Lucas GroeneveldNLD1934
1526Jesse van KuijkNLD1901
1631Daan van KuijkNLD140 (DNC)2
1711Moritz SagerAUT420
1814Mateo LlarenaGTM420
1920Roar LindlandNOR110
2012Philipp SagerAUT000
2119Stéphane DenoualFRA0-0
2221Clément MateuFRA000 (DNC)
2332Philippe HaezebrouckFRA0--
2419'Roland BervilléFRA00 (DNC)-
(DNF) = did not finish(DNC)= did not classify(DNS)= did not start(*)=disqualified(-) = no participation in event
Teilen

Verwandte Artikel

Sebastian Job unterstreicht seine Titelambitionen in Spa.

Porsche TAG Heuer Esports Supercup