8/14/2020

Motorsport der Zukunft: So entstanden die Science-Fiction-Poster.

Wie wird Motorsport in 100 Jahren aussehen? Das Designbüro Automobilist beantwortete diese Frage mit einer originellen Poster-Serie, inspiriert von unserer erfolgreichen Motorsport-Historie. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen und zeigen, wie viel harte Arbeit, Leidenschaft und Präzision in diesen Werken steckt – Eigenschaften, die man übrigens auch aus dem Motorsport kennt.

Wenn sich Grafikdesigner Jan Rambousek ans Werk von Motorsport-Szenen für seine „Fine Art Prints“ macht, weiß er: Das wird bei besonders aufwendigen Bildern sechs Monate dauern. Der Chefkreative des Designbüros „Automobilist“ lässt am Computer meist historische reale Szenen aus dem Motorsport neu erwachen, nach Absprache auch futuristische wie beim 911 RSR auf dem Mond, dem 356 SL auf dem Mars, dem 917 KH im futuristischen Le Mans – oder dem 99X Electric in Tokyo im Jahr 2138. Pavel Turek, Geschäftsführer und Mitbegründer der seit 2018 bestehenden Firma, konkretisiert: „Im Motorsport sind besonders in der Vergangenheit so viele Dinge passiert, die nicht mit der Kamera eingefangen wurden oder nur in Schwarz-weiß. Wir wollen mit CGI-Technologien und Highend-Fotografie solche Situationen wiederaufleben lassen – und zwar so authentisch wie möglich, hochaufgelöst, in Form von großen Bildern. Die Ergebnisse nennen wir ‚Fine Art Prints‘.“

Die Arbeit an den Bildern beginnt mit dem Konzept. Welche Szene soll gezeigt werden? Welche Autos gehören dazu? Welche Menschen müssen mit aufs Bild? Und, ganz wichtig: Wo steht der Betrachter in der Szene – und wo genau findet sie statt? „Wir beginnen mit der Location,“ erklärt Rambousek, „wir fahren zum Beispiel zur betreffenden Rennstrecke und fotografieren die Stelle des Geschehens.“ Ist sie auch nur leicht verändert oder existiert sie nicht mehr, wird sie im Computer nachgebaut nach Vorlagen von alten Fotos. Dann werden die Menschen, die auf der Szene zu sehen sein sollen, aufgenommen – an exakt der Stelle, die auf dem Bild die Hauptrolle spielt. Dazu werden Schauspieler engagiert und natürlich nach historischem Vorbild kostümiert.

Als Nächstes geht’s um die Hauptsache: die Fahrzeuge. „Unsere Fahrzeuge machen wir je nach Möglichkeit auf drei Arten,“ erklärt der Künstler, „erstens: Wir haben das Vorbild physisch vor uns – dann arbeiten wir mit einem 3D-Scan. Wenn dazu keine Chance besteht, besorgen wir uns sämtliche Daten vom Hersteller.“ Und wenn es kein Infomaterial gibt, weil die Rennen möglicherweise erst in der Zukunft stattfinden? Wie es zum Anspruch von „Automobilist“ passt, setzen Rambousek & Co auch bei den futuristischen Sci-Fi-Postern auf Detailtreue. Zum Beispiel ist der Giordano Bruno kein Hirngespinst, sondern der wohl jüngste Mondkrater mit einem Durchmesser von 22,13 Kilometer. Man kann sicher sein, dass der Grad der Steilkurve in etwa dem echten Rand des Kraters entspricht, denn Automobilist arbeitet auch bei solchen Fällen mit Fotos und Informationen von Wissenschaftlern und der NASA. Nicht anders beim 356 SL auf dem Mars: Die Große Syrte ist eine zwei Millionen Quadratkilometer große Hochebene, 2018 von der NASA als Landeplatz für den Marsrover „Perseverance“ ausgesucht und deshalb recht gut erforscht. Die Lichtverhältnisse sind durchaus realistisch. Und dass die Fahrzeugscheiben geschlossen sind, versteht sich von selbst.

Jan Rambousek, Pavel Turek und ihr Team stecken also viel Arbeit und Präzision in die Erstellung dieser Poster. Das geht natürlich nur, wenn man sich auch selbst für das Thema begeistert: „Das Entscheidende im Motorsport ist, dass man an sich selbst und an die Fähigkeiten des Teams glauben muss. Es geht darum, sich ans Limit zu pushen, gleichzeitig aber auch bestimmte Regeln einzuhalten. Nach dem Motto: ‚If you want to finish first, you have to first finish.’ Es geht um Logik, Sensibilität, Leidenschaft und Endorphine«, fasst Turek zusammen. Was sich wiederum auch eins zu eins auf die Arbeit von Automobilist übertragen lässt.

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