8/5/2020

Oranje dominiert in Silverstone.

Larry ten Voorde beendet mit einem der deutlichsten Siege aller Zeiten im Porsche Mobil 1 Supercup die Siegesserie von BWT Lechner Racing. Teamkollege Max van Splunteren macht mit einer defensiven Meisterleistung den Doppelsieg für Team GP Elite fix.

Das Maß der Dinge ist Oranje: #25 Larry ten Voorde (NED/Team GP Elite) gab auf dem legendären Silverstone Circuit dermaßen den Ton an, dass kein Gegner mehr zu sehen war: Der "Flying Dutchman" dominierte den vierten Lauf zum Porsche Mobil 1 Supercup nach allen Regeln der Kunst. Entsprechend des Mottos #HighSpeedTradition holte er den Sieg mit einem Vorsprung von nicht weniger als 11,741 Sekunden.

Ich habe natürlich auch davon profitiert, dass ich an der Spitze immer auf der Ideallinie fahren konnte, während meine Verfolger in Positionskämpfe verstrickt waren und dadurch Zeit verloren.

(NED/Team GP Elite)

Einen vergleichbar großen Abstand hat es in der Geschichte des Porsche Mobil 1 Supercup nur selten gegeben. Unterm Strich war er über die 13-Runden-Distanz auf der berühmten 5,891 Kilometer langen Strecke in Northamptonshire pro Runde beinahe eine Sekunde schneller als die versammelte Konkurrenz – und das, obwohl alle in technisch identischen Porsche 911 GT3 Cup unterwegs waren. Bestzeit im Freien Training, Pole Position mit 0,305 Sekunden Vorsprung, Start-Ziel-Sieg mit schnellster Runde: Noch souveräner kann ein Auftritt im Porsche Mobil 1 Supercup nicht ausfallen.

Van Splunteren verteidigt wie ein Champion.

Dass der Sieg so deutlich ausfiel, hatte ten Voorde neben einem perfekt eingestellten Fahrzeug vor allem seinem Teamkollege #24 Max van Splunteren (NED/Team GP Elite) zu verdanken, der sich sensationell auf dem zweiten Startplatz qualifiziert hatte. Beim Start konnte er die Position verteidigen und spielte daraufhin den Bremsklotz. Das ganze Rennen über wurde er von Porsche-Junior #1 Jaxon Evans (NZL/BWT Lechner Racing) attackiert. Evans betrieb nach der Durchfahrtsstrafe in Budapest Wiedergutmachung und griff immer wieder mit fairen Mitteln an.

Ich war jeweils im Kurvenausgang schneller als Jaxon. Dadurch konnte ich immer ein paar Meter Vorsprung herausfahren, genug, um meine Position in der nächsten Bremszone zu verteidigen.

(NED/Team GP Elite)

Doch wo er es auch versuchte, van Splunteren deckte jede Linie zu, auf der man überholen konnte. Arena, Village, Brooklands, Stowe – an jedem Bremspunkt fuhr er leicht mittig, sodass Evans keine Chance bekam. 13 Runden Dauerfeuer hielt der Student aus Amsterdam aus, ohne mit der Wimper zu zucken. Eine hervorragende Defensivleistung nicht nur gegen den Porsche-Junior, sondern gegen ein ganzes Paket 485 PS starker Porsche 911 GT3 Cup im Schlepptau. Die Gruppe zog sich bis zu Platz neun.

Max hat es clever gemacht. Für mich war es das Wichtigste, nach der Nullrunde vom vorherigen Rennen in Budapest möglichst viele Punkte zu holen.

(NZL/BWT Lechner Racing)

Evans konnte nicht letztes Risiko gehen, weil hinter ihm #33 Florian Latorre (FRA/CLRT) nur darauf lauerte, dass sich der Neuseeländer bei einem Angriff auf van Splunteren verschätzte. Doch auch Evans blieb fehlerlos und eröffnete dem Franzosen keine Chance auf ein Überholmanöver. Latorre hatte sich mittels eines starken Starts in Stellung gebracht: In der ersten halben Runde überholte er sowohl Porsche-Junior #22 Ayhancan Güven (TUR/Martinet by Alméras) als auch #5 Jaap van Lagen (NED/FACH AUTO TECH). Weil Evans ihn nicht durchließ, wurde es am Ende Platz vier.

Güven auf falschem Fuß erwischt.

Für Güven, den Gewinner von Silverstone 2019, lief die Anfangsphase alles andere als nach Plan: Beim Start noch gut weggekommen, überfiel ihn zunächst #2 Dylan Pereira (LUX/BWT Lechner Racing) am Ende der ersten Runde, was ihn in eine Rückwärtsspirale trieb. Mehrere Gegner nutzten die Situation aus, zogen vorbei und reichten den Porsche-Junior bis auf die neunte Position durch. Von dort aus war nicht mehr viel für Güven zu holen.

Ich habe mich in der ersten Runde in einem Pulk einklemmen lassen, dadurch konnte mich Dylan Pereira überholen. Ein taktischer Fehler, den ich anschließend nicht mehr ausbügeln konnte.

(TUR/Martinet by Alméras)

Als sich im Zug von Platz zwei bis neun die Positionen erst einmal sortiert hatten, war nicht mehr viel zu machen. Zu ausgeglichen war das enge Feld in der Gruppe – und keiner machte entscheidende Fehler. Hinter ten Voorde, van Splunteren, Evans und Latorre holte van Lagen mit Platz fünf sein erstes einstelliges Resultat der Saison. Tabellenführer Pereira betrieb mit Platz sechs Schadensbegrenzung, Siebter und gleichzeitig Zweiter in der Rookie-Wertung wurde #23 Marvin Klein (FRA/Martinet by Alméras) trotz andauernder Rauchzeichen an seinem Porsche über das ganze Rennen hinweg. Dahinter gab es gegen Rennende doch noch eine Verschiebung: Güven schnappte sich Rookie #3 Leon Köhler (GER/Lechner Racing Middle East), der in der Schlussphase mit den Reifen zu kämpfen hatte. Beim Überholmanöver schob Güven Köhler jedoch etwas zu stark an – der Platzgewinn wurde ihm nach dem Rennen wieder von den Stewards gestrichen. Köhler sicherte sich den dritten Podiumsplatz bei den Rookies.

Die Top 10 komplettierte #4 Jean-Baptiste Simmenauer (FRA/Lechner Racing Middle East), der auf den Erstplatzierten bereits einen Rückstand von 21,330 Sekunden hatte – Welten im Supercup. Er kämpfte sich in einem harten Manöver in der Anfangsphase an #10 Marius Nakken (NOR/Dinamic Motorsport) vorbei. Dieser geriet nach einer Berührung mit Simmenauer so weit nach außen, dass auch noch #6 Jordan Love (AUS/FACH AUTO TECH) durchschlüpfen konnte. Love und Nakken belegten aber nur die Plätze zwölf und 13, denn auf Rang elf lief Gaststarter #34 Berkay Besler (TUR/Lechner Racing Middle East) im Ziel ein. Die letzten Punkte holten #26 Jesse van Kuijk (NED/Team GP Elite), #30 Lucas Groeneveld (NED/GP Elite) und #15 Jukka Honkavuori (FIN/MRS GT-Racing).

Erneuter ProAm-Sieg für Lindland.

In der ProAm-Wertung holte sich #20 Roar Lindland (NOR/Pierre Martinet by Alméras) den dritten Sieg in Folge. Diesmal hatte er auf Gesamtrang 18 sogar einen Puffer von zwei Fahrzeugen zwischen sich und seinem Verfolger. Das war diesmal #21 Clément Mateu (FRA/Pierre Martinet by Alméras), der von ganz hinten ins Rennen starten musste. Er hatte unter gelber Flagge nicht ausreichend abgebremst. #12 Philipp Sager (AUT/Dinamic Motorsport) meldete sich nach seinem Unfall in Budapest vor zwei Wochen mit Rang drei zurück.

Eine Woche hat die Konkurrenz nun Zeit, sich damit auseinanderzusetzen, was Team GP Elite in Silverstone so stark macht. Ein Ansatz wäre die besondere Abstimmung der Porsche 911 GT3 Cup: Diese werden in Silverstone mit verhältnismäßig wenig Reifensturz auf der Hinterachse bewegt. Das sorgt für ein "loses" Heck. Irgendetwas scheint das Team von Torsten van Haasteren gefunden zu haben, um mit diesem Setup besonders gut umzugehen. Ob die Gegner herausfinden, was der Kniff ist? Das wird sich beim #Festrennen anlässlich des 70. Jubiläums der Formel 1 am 9. August zeigen.

Gesamtplatzierung 4. Runde Porsche Mobil 1 Supercup, Silverstone

PositionEntry No. DriverNationTotal PointsPoints Round 3Points Round 4
12Dylan PereiraLUX802510
225Larry ten VoordeNLD731725
322Ayhancan GüvenTUR55207
41Jaxon EvansNZL54017
533Florian LatorreFRA451014
623Marvin KleinFRA42149
73Leon KöhlerDEU390 (DNC)8
824Max van SplunterenNLD37720
94Jean-Baptiste SimmenauerFRA36126
106Jordan LoveAUS2485
1110Marius NakkenNOR2094
125Jaap van LagenNLD180 (DNC)12
1326Jesse van KuijkNLD1543
1431Daan van KuijkNLD1260
1530Lucas GroeneveldNLD1052
1615Jukka HonkavuoriFIN731
1711Moritz SagerAUT520
1814Mateo LlarenaGTM110
1920Roar LindlandNOR000
2012Philipp SagerAUT00 (DNC)0
2119Stéphane DenoualFRA00-
2221Clément MateuFRA000
2332Philippe HaezebrouckFRA000
2419Roland BervilléFRA0--
(DNF) = did not finish (DNC)= did not classify (DNS)= did not start (*)=disqualified (-) = no participation in event
Teilen

Verwandte Artikel

Eiskalter Pereira am #BoilingPoint.

Porsche Mobil 1 Supercup