7/24/2020

Die Momentaufnahmen des André Lotterer.

TAG Heuer Porsche Formula E Team Pilot André Lotterer hat ein rasantes Leben. Auf und teilweise auch abseits der Rennstrecke. Genau darin besteht der Kontrast zu seinen Fotos.

Spricht man mit André Lotterer über seine Fotografie, ist dies immer eine Reise in seine Jugend. Zu den Anfängen, zu der Familie. Schließlich hat dort alles begonnen. Bereits sein Vater war leidenschaftlicher Fotograf und so ist es kein Wunder, dass diese auf den Sohn überging. Als André mit dem Kart seine Runden drehte, war er eher Model und ein bisschen das Versuchskaninchen für den fotografierenden Vater. Doch nach nicht allzu langer Zeit wechselt er die Perspektive: Der Vater schenkt ihm eine seiner alten Kameras – da war André 12. Er fotografierte hier und da, die Leidenschaft aber nimmt nur langsam ihren Lauf.

Erst langsam, dann mit voller Fahrt.

Der Vater war sein größter Lehrer auf dem Gebiet der Fotografie. Er zeigt dem Nachwuchs alles, was wichtig ist, um ein gutes Foto zu schießen. So richtig fängt alles jedoch erst etwas später an. Denn – und auch das gehört zu André – wenn er etwas macht, dann richtig. „Er hat mir zwar einen Fotoapparat geschenkt, mit dem ich dann ab und zu ein bisschen fotografiert habe, aber nicht wirklich so konsequent wie jetzt. 2016 habe ich mir dann die Kameras gekauft, die ich wollte – die Leica zum Beispiel. Weil wenn ich es mache, dann wollte ich es auch gut machen“, erzählt er. Und den Modellen von Leica ist er bis heute treu geblieben. Seine Lieblingskamera ist die Leica M. Für ihn nicht nur ein schönes Modell, sondern einfach eine „unsterbliche Kamera“. „Was mir an der Kamera gefällt, ist, dass man da wirklich analog noch die Bilder fokussiert – also mit Handfokus, ohne Automatik – das schafft viel mehr Verbundenheit zu dem Foto. Man muss sich mehr Mühe geben, um das richtige Foto zu erwischen“, beschreibt er das Arbeiten mit der Leica M. Es ist eben dieses Handgemachte, was ihn fasziniert. Die Verbundenheit mit der Technik der Kamera und dem Augenblick, den es einzufangen gilt.

Zwischen Meditation und Backstage-Einblicken.

Es geht ihm primär nicht darum, schnell ein paar Fotos zu schießen. „Man kann den ganzen Tag mit der Kamera irgendwo bummeln gehen und fotografieren und ein bisschen in seiner eigenen Welt sein“, erzählt er. Sich kreativ ausleben, Zeit für sich haben und die Hektik des Berufsalltags hinter sich lassen. Klingt meditativ. Ist es auch: „Ja“, sagt André. „Es ist fast so eine Art Meditation.“ Während der Rennen gibt es weniger Möglichkeiten, in Ruhe zu fotografieren. Der Fokus liegt auf etwas anderem. Dennoch schafft er es, das ein oder andere Foto zu schießen. Diese geben Backstage-Einblicke, die so nur André hat – und diese teilt er mit seinem Team. „Ich mache einfach gerne Fotos im Hintergrund und schicke es den Jungs dann weiter übers Handy, dann haben sie auch Fotos von sich.“ Scheinbar hat es viele Vorteile, den fotografierenden Piloten als Teamkollege zu haben.

Digitale Fotografie mit einem analogen Hauch.

Seine Fotos macht er sowohl digital als auch analog. Beides passt gut zu ihm. Der Charme des Analogen und das Moderne des Digitalen. Die meisten seiner Fotos schießt er jedoch digital. Wobei – was heißt schon digital in diesem Rahmen? „Die Bilder sind natürlich digital auf der Speicherkarte, aber die Art und Weise, wie man sie fotografiert und einstellt, der Fokus, das Licht, das ist sehr analog“, stellt er klar. Wahrscheinlich ist es eben auch dieser Blick auf seine Bilder, die ihnen ihre Seele geben. Eine Verbindung aus moderner Technik gepaart mit traditionellem Fotohandwerk. Leicht abgewandelt könnte dieser Satz am Ende vielleicht sogar den Piloten André Lotterer beschreiben: modernes Technikverständnis für die Formel E und den Porsche 99X Electric gepaart mit traditionellem Rennfahrerhandwerk.

Ähnlich sieht er es beim Thema Farb- oder Schwarz-Weiß-Fotografie. Natürlich gibt es hier einen stilistischen Gewinner. Etwas, das deutlich mehr Eleganz und Klasse ausdrückt. Festlegen möchte er sich aber nicht – wozu auch? Der Kreativität sollten keine Grenzen gesetzte werden. „Schwarz-Weiß ist natürlich immer der Winner. Ein Farbbild hat natürlich auch immer viel Emotionen und viel Leben. Aber das muss man auch je nach Thema aussuchen. Ich mache beides gerne.“ Eine seiner Kameras fotografiert nur schwarz-weiß. Und das soll auch so bleiben. Dann sehen wir also weiterhin einen bunten Schwarz-Weiß-Mix vom „Leicapiloten“? „Ja – mir gefällt das sehr und ich werde in Zukunft mehr davon machen.“

Eigentlich keine überraschende Antwort – oder?

„Mein bisheriges Highlight-Motiv? Bisher waren es eigentlich immer schöne Autobilder.“ Das verwundert nicht. Aber es zeigt nur den einen Aspekt. „Ich war mal in Marokko und habe Nomaden fotografiert. Das Bild ist super geworden“, fügt André hinzu. „Mit meiner Kamera und den Objektiven, die ich habe, kommt es super heraus. Daher ist das bisher mein Highlight-Motiv.“ Wenn man ihn darüber sprechen hört, kann man sich sicher, sein, dass da noch mehr kommt – und es steht noch einiges auf seiner Liste. „Interessante und auch authentische Menschen – das wollte ich schon immer fotografieren. Wenn ich mal ein bisschen mehr Zeit habe, würde ich gern einfach irgendwo in einem ruhigen Dorf Leute fotografieren und die Ausstrahlung, die Gesichter von diesen Menschen gut darstellen. Das wäre mal interessant.“ Aktuell liegt der Fokus jedoch auf der Formel E. Aber es ist ja gut, Pläne für danach zu schmieden. Für den wohl verdienten Urlaub nach dem Saisonfinale in Berlin. Mal sehen. Er lacht. „Das wird wahrscheinlich eher nach meiner Karriere sein. Ich werde dann mit meinem VW T3-Bus als Camper irgendwelche Dörfer entdecken und interessante Leute finden.“

Ja, das passt zu ihm. Das Gefährt klingt zwar nicht ganz so schnell wie sein aktuelles Arbeitsgerät – aber dann geht es schließlich nicht mehr darum, Rennen zu gewinnen. Sondern darum, Momente einzufangen.

Teilen