7/15/2020

Schlag auf Schlag in der Steiermark.

Qualifying und Rennen an einem Vormittag – die Saison 2020 sorgte im Porsche Mobil 1 Supercup für eine weitere Kuriosität. #2 Dylan Pereira (LUX/BWT Lechner Racing) beendete zudem die seit 2016 anhaltende Siegesserie der Porsche-Junioren in Spielberg.

In diesem Jahr ist wahrlich nichts normal: Als hätte die Pandemie den Rennkalender nicht schon genug auf den Kopf gestellt, wurde den 25 Teilnehmern des Porsche Mobil 1 Supercup nun auch noch vom Wetter ein Strich durch die Rechnung gemacht. Das Qualifying konnte wegen heftigster Regenfälle am Samstag nicht wie geplant stattfinden. Auch die Formel 1 musste ein Training des Pirelli Großer Preis der Steiermark absagen. So gab es am Sonntag gleich ein doppeltes #EchoDesSpielbergs: Qualifying und Rennen innerhalb von drei Stunden sorgten für einen intensiven Sonntagvormittag.

Teil 1 dieser Übung meisterte Porsche-Junior #22 Ayhancan Güven (TUR/Martinet by Alméras) am besten. 1:30.754 Minuten reichten für die Pole Position vor Rookie #3 Leon Köhler (GER/Lechner Racing Middle East), der sich wieder hervorragend aufgelegt präsentierte. Dann Pereira auf Startplatz drei – eine explosive Mischung auf den Spitzenplätzen. Der Luxemburger hatte nämlich im Freien Training mit einer Bestzeit schon einmal den Fehdehandschuh in den steirischen Red Bull Ring geworfen und war mit Startplatz drei alles andere als zufrieden.

Pereira fliegt erst vorbei und dann davon.

Ampeln aus – und gleich legte Pereira los: Während Güven die Spitze verteidigte, schnappte sich der Lechner-Pilot gleich #3 Leon Köhler (GER/Lechner Racing Middle East). Kaum hatte er diesen überholt, begann er mit den ersten Attacken auf Güven. Der Porsche-Junior hielt dagegen und beendete die erste Runde als Erster. Trotz extremer Kampflinie musste er dann schon in Runde 2 die Führung abgeben: Pereira nutzte seine ganze Erfahrung, um einen sauberen Angriff in der Remus-Spitzkehre vorzubereiten. Von außen in die Kurve rein, dann die Linie kreuzen und am Kurvenausgang innen reinstechen – mit diesem klassischen Manöver aus der Motorsport-Trickkiste holte sich Pereira die Führung.

Mehr war heute für mich nicht drin, Dylan war nicht zu halten.

(TUR/Martinet by Alméras)

Es war schon die Vorentscheidung für den Rennsieg, denn gegen den Boliden von BWT Lechner Racing war an diesem kompakten Renntag absolut kein Kraut gewachsen: Kaum war Pereira an Güven vorbei, setzte er sich an der Spitze ab und fuhr einen ungefährdeten Sieg nach Hause. Zwei Rennen, zwei Siege für die österreichische Champion-Schmiede BWT Lechner Racing – Felix Austria auch beim zweiten Auftritt binnen einer Woche in Spielberg! „Ich habe mir gedacht: jetzt oder nie. Ich wollte unbedingt so schnell wie möglich an die Spitze, um mir dann das Rennen einteilen zu können.“ kommentierte Pereira die Schlüsselszene des Rennens.

Das kann niemand planen, es lief einfach perfekt!

(LUX/BWT Lechner Racing)

Enges Duell um Platz zwei.

Güven war schnell klar, dass er in diesem Rennen maximal Zweiter werden konnte. Und so ging der Blick für ihn nach hinten. Von dort drückte nun #25 Larry ten Voorde (NED/Team GP Elite). Er hatte die Startphase ebenfalls genutzt, um an Köhler vorbeizugehen, der in den ersten Kurven seiner Unerfahrenheit Tribut zollen musste. Der Niederländer versuchte in den folgenden Runden mehrfach, in Schlagdistanz zu Güven zu kommen – eine Neuauflage des Titelkampfes der Virtual Edition des Supercup lag in der Luft. Doch der Porsche-Junior blieb abgeklärt, machte keine Fehler und hielt den Meister des Porsche Super Sports Cup von 2016 hinter sich.

Jeder hat auf einen Fehler des anderen gewartet, aber der ist einfach nicht passiert.

(NED/Team GP Elite)

Damit musste sich auch ten Voorde in den letzten Runden nach hinten orientieren. Denn Köhler wollte die Platzverluste der erste Runde nicht auf sich sitzen lassen und biss sich am Heck des 485 PS starken Porsche 911 GT3 Cup des Niederländers fest. Nun musste ten Voorde all seine Erfahrung ausspielen, um den angriffslustigen Super-Rookie hinter sich zu halten, der das Establishment wieder einmal mehr als ins Schwitzen brachte. Köhler ließ nicht locker, doch ten Voorde gelang der nötige Kompromiss aus Vorsicht wegen der Verwarnung und ausreichend schneller Gangart, um ein zweites Podium im zweiten Rennen von Köhler zu verhindern. Güven, ten Voorde und Köhler, der erneut den Sieg in der Rookie-Wertung holte, trennte auf dem Zielstrich nur etwas mehr als eine Sekunde.

Evans und Klein gehen auf Tuchfühlung.

Porsche-Junior und Auftaktsieger #1 Jaxon Evans (NZL/BWT Lechner Racing) tat sich diesmal schwer. Schon nach dem Qualifying klagte er über mangelndes Vertrauen zu seinem Fahrzeug. Er hatte sich nur für Startplatz 8 qualifiziert. Doch beim Start zeigte er, was das Porsche-Juniorenprogramm ihm beigebracht hat: Er machte zwei Positionen gut und legte sich in der zweiten Runde den Alméras-Piloten Marvin Klein zurecht. Dabei kam es zu einer Berührung in der Würth-Kurve. Evans ging vorbei.

Mein Ziel war ein Platz unter den ersten Fünf, wenigstens das hat geklappt.

(NZL/BWT Lechner Racing)

Aus Evans Sicht war die Sache klar. “Ich glaube, Marvin Klein hat mich nicht kommen sehen. Wir sind dann beide gleichzeitig in die Kurve. Dort kam es dann zu einem kurzen, aber nicht absichtlichen Kontakt. Glücklicherweise konnten wir beide auf der Strecke bleiben – und uns danach noch einen spannenden Fight liefern.” fasste er die Situation zusammen. Die Rennleitung reichte den Fall an die Sportkommissare weiter, die Untersuchung hatte aber für keinen der beiden Fahrer Konsequenzen.

ProAms und Rookies im Infight.

Die Top 10 komplettierten #33 Florian Latorre (FRA/CLRT), Rookie #4 Jean-Baptiste Simmenauer (FRA/Lechner Racing Middle East), der nächste Rookie #24 Max van Splunteren (NED/Team GP Elite) und der schnelle Simracer #16 Laurin Heinrich (GER/MRS GT-Racing) – erneut überraschend bester Fahrer seines Teams. Van Splunteren hatte sich auf einem starken vierten Platz qualifiziert, erwischte allerdings nicht den besten Start. So wurde es nur Platz vier in der Rookie-Wertung hinter Überflieger Köhler, Klein und Simmenauer. Vier Rookies schafften es in die Top 10, die das etablierte Feld des Porsche Mobil 1 Supercups weiterhin tüchtig aufmischen.

Nichts unterstrich den Generationskonflikt besser als der Kampf um Gesamtplatz 20. Hier gab es eine packende Auseinandersetzung um den Sieg in der ProAm-Wertung zwischen #20 Roar Lindland (NOR/Pierre Martinet by Alméras), der am Mittwoch seinen 43. Geburtstag gefeiert hatte, und #12 Philipp Sager (AUT/Dinamic Motorsport), bereits 50 Jahre alt. Das komplette Rennen über hingen sie wie mit Heißkleber zusammengeschweißt aneinander. Eingerahmt wurde dieser Kampf vom 19-jährigen #11 Moritz Sager (AUT/Dinamic Motorsport) auf Platz 19 und #14 Mateo Llarena (GTM/MRS GT-Racing), Inhaber des Altersrekords für den jüngsten Fahrer im Porsche Mobil 1 Supercup, aufgestellt vor erst einer Woche beim Saisonauftakt. Llarena drehte sich im späteren Verlauf des Rennens – Lehrgeld überwiesen. Moritz Sager hätte durchaus die Möglichkeit gehabt, Lindland zu blockieren und so seinem Vater zu helfen. Doch das "dinamische Duo" verzichtete auf Spielchen und schrieb Sportlichkeit groß. Lindland holte den ProAm-Sieg mit 0,248 Sekunden Vorsprung auf Gesamtrang 20 und verwehrte damit dem Sager-Clan einen zweiten Heimsieg.

Nach dem hektischen Sonntag geht es im Porsche Mobil 1 Supercup auch weiter Schlag auf Schlag. Schon am kommenden Wochenende steht das dritte Rennen der Serie unter dem Motto #BoilingPoint auf dem Hungaroring nahe der ungarischen Hauptstadt Budapest auf dem Programm. Wir sind gespannt darauf, wer auf der zweiten Strecke der jungen Saison Letztjahressieger Michael Ammermüller beerbt.

Gesamtplatzierung 2. Runde Porsche Mobil 1 Supercup, Spielberg

PositionEntry No. DriverNationEntrantTotal PointsPoints Round 6Points Round 7
12Dylan PereiraLUXBWT Lechner Racing452025
21Jaxon EvansNZLBWT Lechner Racing372512
33Leon KöhlerDEULechner Racing Middle East311714
425Larry ten VoordeNLDTeam GP Elite311417
522Ayhancan GüvenTURMartinet by Alméras28820
633Florian LatorreFRACLRT21128
723Marvin KleinFRAMartinet by Alméras19910
84Jean-Baptiste SimmenauerFRALechner Racing Middle East18108
96Jordan LoveAUSFACH AUTO TECH1165
1024Max van SplunterenNLDTeam GP Elite1037
1126Jesse van KuijkNLDTeam GP Elite844
1210Marius NakkenNORDinamic Motorsport770
135Jaap van LagenNLDFACH AUTO TECH60 (DNC)6
1431Daan van KuijkNLDGP Elite651
1515Jukka HonkavuoriFINMRS GT-Racing30 (DNC)3
1630Lucas GroeneveldNLDGP Elite312
1711Moritz SagerAUTDinamic Motorsport220
1812Philipp SagerAUTDinamic Motorsport000
1914Mateo LlarenaGTMMRS GT-Racing000
2020Roar LindlandNORPierre Martinet by Alméras000
2119Stéphane DenoualFRAPierre Martinet by Alméras00-
2221Clement MateuFRAPierre Martinet by Alméras000
2332Philippe HaezebrouckFRACLRT000
2419'Roland BervilléFRAPierre Martinet by Alméras0-0
(DNF) = did not finish(DNC)= did not classify(DNS)= did not start (*)=disqualified(-) = no participation in event
Teilen