7/13/2020

Der Motorsport trauert um Hans Mezger.

Als Hans Mezger am 1. Oktober 1956 direkt nach seinem Maschinenbaustudium in der Berechnungsabteilung von Porsche sein Amt antritt, hatte er keine Vorstellung, was er für Porsche, den Motorsport und für alle 911er Fans in den kommenden Jahrzehnten bewegen wird – nun ist er im Alter von 90 Jahre verstorben.

„… ich aber habe gesagt, ich wolle zu den Sportwagen – die hatte ich schon die ganze Zeit bewundert.“

Chronologisch aufzulisten, was Hans Mezger in seiner Porsche Zeit erlebt und erreicht hat, ist nur schwer möglich. Denn: Viele Höhepunkte zeichnen sich über die Dauer hinweg ab. Bereits Anfang der 1960er – also nur wenige Jahre nach seinem Einstieg – entsteht der bis heute weltberühmte „Mezger-Motor“ für den Porsche 911. Eine Revolution im Motorenbereich, die ihm zum Leiter der Abteilung „Konstruktion Rennfahrzeuge“ macht. Erneut bringt er seine visionäre Denkweise ein und lässt sie in die Entwicklung des 910 einfließen. Eben jenem Fahrzeug, das zur Vorlage aller Rennfahrzeuge wird, die in den kommenden Jahren gebaut werden – und somit auch zu der für den Porsche 917. Hans Mezger leitet die Gesamtkonstruktion des Rennwagens – mit Erfolg: 1970 und 1971 gewinnt man nicht nur das 24-Stunden-Rennen von Le Mans sondern auch die Sportwagenweltmeisterschaft.

1981, die Suche und Niki Lauda.

Sein wohl bemerkenswertestes Projekt übernimmt Hans Mezger im Jahre 1981. Der McLaren-Rennstall war auf der Suche nach einem neuen Turbomotor für die Formel 1. Die Wahl fiel auf Porsche – und somit auch auf Hans Mezger. Der Anspruch des Unternehmens sowie der von Mezger war klar: Es muss ein eigener, komplett neuer Motor entwickelt werden. Das Unterfangen gelingt – und wie. Das Ergebnis: Ein 1,5-Liter-V6-Motor mit 80 Grad Bankwinkel und mehr als 1000 PS.

„Der zuständige Ingenieur ist fast verzweifelt, weil ich immer gesagt habe, es ginge noch besser. Am Ende feierten wir im ersten Jahr mit McLaren 12 Siege in 16 Rennen und 3 WM-Titel.“

Gemacht für Weltmeister – das kann man am Ende der 1980er-Jahre über den Porsche TAG-Turbo Motor sagen. 1984 wird Niki Lauda Weltmeister, in den beiden Folgejahren Alain Prost. Insgesamt werden 25 Rennsiege mit dem von Mezger entwickelten Motor eingefahren sowie die Konstrukteurs-Weltmeisterschaften 1984 und 1985 gewonnen. Der Macher selbst spürte das Vertrauen und wusste: „Das war ein großartiger Erfolg und gleichzeitig auch der bis dahin bedeutendste Entwicklungsauftrag einer Fremdfirma für Porsche.“

Über all die Jahre ist Hans Mezger Porsche eng verbunden geblieben und stand Fans, Journalisten oder alten Weggefährten stets als Ratgeber zur Seite. Bis zuletzt war er ein regelmäßiger und gern gesehener Gast bei vielen Porsche Veranstaltungen. Am 10. Juni 2020 trat Hans Mezger seine letzte Fahrt an und lässt uns in tiefer Trauer zurück.

Egal ob auf der Rennstrecke oder der Straße: Das Erbe von Hans Mezger wird für immer in den Herzen unserer Fahrzeuge schlagen.

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