7/3/2020

Die Porsche DNA trägt Motorsport in sich.

Motorsport ist Teil der Porsche DNA und gehört zum Unternehmen wie kaum etwas Zweites. Er bietet beste Möglichkeiten Neues zu testen und es später in Serie zu überführen. Und dann ist sie da: die Motorsporttechnologie auf der Straße.

Meist sind es die Details. Manchmal die Lufteinlässe an der Fahrzeugfront, die besondere Aerodynamik – wie der Fahrtwind sich um den Fahrzeugkörper schmiegt, der ihm kaum eine Angriffsfläche bietet. Oder neueste Technologien im Inneren des Fahrzeugs: mehr PS, mehr kW, noch präzisere Instrumente. In jedem Porsche steckt Rennsport. Viele technische Raffinessen wurden für Rennen entwickelt: für Le Mans, für den Nürburgring – für GT und LMP1. Und nun für die Formel E. Das TAG Heuer Porsche Formula E Team tritt seit Ende 2019 in der Formel E mit dem Porsche 99X Electric an – dem ersten vollelektrischen Rennfahrzeug von Porsche. Einem Rennwagen, der technisch völlig neu entwickelt wurde. Fast zeitgleich – im Herbst 2019 – wurde ein anderer vollelektrischer Porsche vorgestellt: der Taycan. Ein Fahrzeug, gemacht für die Straßen von heute, mit der Technologie von morgen. Eines für die Rennstrecke, das Andere für die Straße. Da kommt die Frage auf: Wie viel vom Porsche 99X Electric steckt im Taycan?

Rekuperation – eine Frage des Managements.

Die Energierückgewinnung spielt nicht nur beim Straßensportwagen eine Rolle – auch bei den Rennen in der Formel E ist Rekuperation enorm wichtig, da sie energielimitiert bestritten werden. Mit ihr kann die zur Verfügung stehende Energie erhöht werden, was am Ende Rundenzeit bringt. Die Rekuperation im 99X Electric erfolgt sowohl beim Bremsen als auch in den Phasen des "lift-off". Der Pilot kann das Verhalten der Rekuperation über Einstellungen am Lenkrad beeinflussen, aber auch direkt über die Pedale steuern. Im Qualifying hingegen muss keine Energie gespart werden: Dort wird mit maximaler Leistung ohne Berücksichtigung der Reichweite gefahren. Reichweite hingegen ist beim Taycan enorm wichtig. Um diese zusätzlich zur Netto-Energiemenge aus der Batterie zu steigern, ist Rekuperation von großer Bedeutung: Durch das Porsche Recuperation Management hat der Fahrer diese immer im Griff – das gilt nicht für ein bestimmtes Modell, sondern findet sich in der gesamten Serie wieder. Er kann über das Lenkrad diverse Rekuperationsstufen einstellen. Innerhalb der unterschiedlichen Fahrmodi variiert die Energierückgewinnung natürlich – ähnlich wie im Porsche 99X Electric. Während eines Rennens ist die Energie, die aus der Batterie verwendet werden darf, auf 52 kWh limitiert. Mit dieser begrenzten Energiemenge kann nicht das ganze Rennen unter Volllast gefahren werden. Daher muss möglichst rundenzeiteffizient Energie gespart, also gelupft, werden. Um zuverlässig und schnell das gesamte Rennen zu bestreiten, ohne aufgrund von Energiemangel liegen zu bleiben, gibt es eine Software, die die Energieverwendung ständig live neu optimiert.

„Die inneren Werte“.

Interessiert man sich für die Zusammengehörigkeit der beiden Fahrzeuge, muss man sich auf die inneren Werte konzentrieren – was steckt technisch im einen, was sich auch im anderen findet? Sicherlich ein Thema ist hierbei die Systemspannung – sowohl beim Taycan als auch beim Porsche 99X Electric beträgt sie 800 Volt. Besonders für das Straßenfahrzeug ist dies innovativ: Denn bisher gibt es kein vergleichbares Modell mit einer solch hohen Systemspannung. Und hier merkt der Fahrer den Motorsport-Einfluss direkt: Durch die Spannung von 800 Volt wird nicht nur die Ladedauer gesenkt, sondern auch die Dauerleistung deutlich erhöht. Zusätzlich sind das Gewicht der Verkabelung durch einen kleineren Kabelquerschnitt sowie der Bauraum verringert. Die damit einhergehende Gewichtsreduktion bringt weitere Performance-Vorteile. Die zweistöckig gebaute Performance-Batterie des Taycan Turbo und des Taycan Turbo S besitzt eine Gesamtkapazität von bis zu 93,4 kWh. Und damit sogar mehr als der Porsche 99X Electric.

Ähnlich verhält es sich mit der permanenterregten Synchronmaschine. Beide Sportwagen sind damit ausgestattet – beim E-Performance Antrieb des Serienmodells mit je einer an Vorder- und Hinterachse. Dies sorgt für eine überlegene Fahrdynamik und einen Allradantrieb, der dank den verschiedenen Fahrmodi immer die perfekte Balance zwischen Dynamik und Effizienz findet. Die Leistung beim Porsche Taycan 4S beträgt hier beispielsweise 320 Kilowatt (435 PS), mit einem maximalen Drehmoment von 640 Newtonmeter bei Launch Control. Gleiches gilt für den DCDC Spannungswandler: Er ist sowohl im Formel E Fahrzeug zur Versorgung der Niedervoltverbraucher an Bord als auch im Taycan verbaut. Natürlich verfügen beide Fahrzeuge über einen Umrichter, der die hohe Batteriespannung sehr effizient in eine deutlich niedrigere Spannung für verschiedene elektronische Bauteile umwandelt. Wie genau das beim Formel E Rennwagen funktioniert, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis der Ingenieure.

Es ist beeindruckend zu sehen, wie viel modernster Motorsport sich im neuen Porsche Taycan findet. Egal ob technisch oder optisch. Und damit zeigt sich deutlich: Porsche steht für Rennsportentwicklung, die auch in Serienmodellen ihr Zuhause findet. Egal mit welchem Antrieb.

Taycan Turbo S: Stromverbrauch kombiniert in kWh/100 km: 26,9; CO2-Emissionen kombiniert in g/km: 0.

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