3/24/2020

Renndebüt in Riad: Von Null auf 2.

Als um 15:07 Uhr CET auf der Ampel hoch über dem Ad-Diriyah Formula E Circuit in Riad alle Lichter ausgingen, wurde Motorsportgeschichte geschrieben. In diesem Moment startete endlich die Formel E Saison 2019/20. Das Rennen markierte somit auch den Einstieg für das TAG Heuer Porsche Formula E Team in die vollelektrische Rennserie. Es war eine kleine Reise ins Ungewisse, begann man doch bei Null und hatte dementsprechend viel aufzuholen. Man wollte Erfahrungen sammeln und sich im ersten Rennen orientieren. Immer wieder wurde im Team klargemacht: Wir können nicht erwarten, von Anfang an vorne mit dabei zu sein. Doch alles kam anders.

Vom Start weg war klar: Alle sind heiß auf die neue Saison. Direkt in der ersten Kurve, unmittelbar nach dem Start, wurde es eng: Es wurde um jeden Zentimeter und um jede Position gekämpft. Das gelang besonders André Lotterer gut, der seinen 7. Platz verteidigte. Bereits nach 6 Minuten gab es die erste Gelbe Flagge: Sebastien Buemi stand auf der Strecke. Die Gelbphase rückte das Feld wieder enger zusammen und eröffnete den Kampf um die Positionen erneut. Besonders an der Spitze ging es heiß her, was vor allem André Lotterer merkte. Ihm gelang es allerdings Platzierung um Platzierung gut zu machen, und so fuhr er bereits auf Position 5. Und suchte nun den Zweikampf mit dem Mercedes Piloten. Was könnte es denn klassischeres geben als dieses Duell im ersten Rennen? Die beiden Stuttgarter Neueinsteiger direkt im Zweikampf kurz vor der Spitze des Feldes. Zu diesem Zeitpunkt führte der Brite Sam Bird von Envision Virgin Racing vor Stoffel Vandoorne im Mercedes und dem Porsche Piloten André Lotterer.

Kurz vor Schluss, oder: kurz vor Safety Car.

Es ist stets eine strategische Entscheidung, wann ein Fahrer den Attack-Mode nutzt. Im Funkverkehr zwischen Box und Rennfahrer wird immer wieder darüber gesprochen: Ideallinie verlassen und Extrapower aufladen – ja oder nein? Zu riskant oder im aktuellen Rennverlauf möglich? Es ist ein Abwägen. Egal für was man sich entscheidet, manches hat man nicht im Griff. So zum Beispiel, dass Daniel Abt im Audi kurz vor Ende des Rennens kollidiert, was zu einer Safety Car Phase führt. Kurz vor diesem Ereignis hat sich Vandoorne dafür entschieden, seinen Attack-Mode zu aktivieren – und damit eben auch, die Ideallinie zu verlassen. Lotterer erkennt seine Chance und nutzt sie: Er überholt den Mercedes Piloten und liegt nun auf Position 2. Saftey Car Phase 3 Minuten vor Ende des Rennens: Überholverbot! Und die Energie neigt sich dem Ende – unter 10 % Akku haben die meisten Fahrzeuge im Feld noch übrig. Kommen alle ins Ziel? Wie haushalten? Das Safety Car hat ein letztes Mal die Strecke verlassen und gibt das Rennen wieder frei. Lotterer auf 2, Vandoorne auf Position 3 versucht alles. Vorne Weg fährt Bird, der Druck steigt – wo bleibt die Zielgerade? Die letzte Kurve und Lotterer macht zu. Keine Chance mehr für Vandoorne. Der Belgier ist geschlagener Dritter.

Man kam von Null. Und fuhr im ersten Rennen auf Platz 2. Was für ein Ergebnis! Freude beim gesamten Team. Auch Neel Jani konnte im Verlauf des schwierigen Rennens einige Plätz gut machen und verbesserte sich auf Platz 17. Es war eine ereignisreiche Rennpremiere für das gesamte TAG Heuer Porsche Formula E Team. Und morgen geht es bereits weiter. Was könnten wir nun anderes sein als hungrig auf mehr?

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