3/24/2020

In der Welt von PESC-Meister Joshua Rogers

Erst 20 Jahre jung, eroberte Joshua Rogers die SimRacing-Szene im Sturm. Auf den Gewinn der VRS GT iRacing-Weltmeisterschaft folgte der Titel bei der Porsche SimRacing Trophy am Nürburgring und schließlich als Krönung der Gesamtsieg bei der internationalen Online-Rennserie Porsche Esports Supercup (PESC).

Wir trafen ihn kurz vor dem Gewinn des PESC-Titels auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt und sprachen mit ihm über SimRacing, Trainingsmethoden und langfristige Ziele.

Sein Herz schlägt für den Motorsport

Joshua, einer der gegenwärtig schnellsten SimRacer der Welt, lebt im australischen Gladstone. Er wuchs mit einer hohen Motorsport-Affinität auf, bestritt landesweite und kontinentale Kart-Wettbewerbe.

„Motorsport spielte in meinem ganzen bisherigen Leben eine große Rolle“, bestätigt er, „jetzt vollzieht sich der Wandel zum SimRacing.“ Als Kartfahrer probierte Joshua zum Spaß verschiedene Rennspiele aus, SimRacing entdeckte er erst 2014 für sich. „Früher habe ich einfach mit Kumpels gespielt, da war nichts Ernsthaftes dabei. Neben dem Kartfahren suchten wir einfach Abwechslung und hatten Spaß. Diese Einstellung hat sich ein wenig verändert: Mittlerweile betreibe ich SimRacing ernsthaft als Wettbewerb.“

Mit großen Schritten zur Professionalität

Mit seiner Qualifikation für die World Endurance Series wandte sich Joshua 2017 ganz dem SimRacing zu. Seither klettert er jedes Jahr eine Sprosse weiter nach oben. 2019 nahm ihn das Spitzen-iRacing-Team Coanda Simsport unter Vertrag. „In diesem Jahr bei der Virtual Racing School und Coanda Simsport an Bord zu sein, war ein steiler Aufstieg“, so der junge SimRacer. „Mehr hätte ich mir für 2019 nicht wünschen können.“

Online im internationalen Wettbewerb

Von Australien aus an europäischen oder US-amerikanischen Meisterschaften teilzunehmen, bringt auch Nachteile und besondere Schwierigkeiten mit sich. „Der Wecker kann eine echte Herausforderung sein“, gibt Joshua zu, „ebenso die Rennen nach europäischem oder amerikanischem Zeitplan. Für mich zuhause kann das bedeuten, dass der Start um Mitternacht meiner Zeit stattfindet. Wenn das Rennen dann sechs Stunden dauert, geht daheim schon die Sonne auf. Die Zeitverschiebung erschwert die Aufgabe, Übermüdung ist ein Risiko und führt zu Fehlern.“

Die Anpassung an verschiedene Zeitzonen stellt auch im realen Motorsport eine häufige Herausforderung für Rennfahrer dar. Joshua erklärt, wie er sich auf die Einsätze vorbereitet. „Mehr Schlaf, etwas Kaffee und ein bisschen Energie tanken“, lautet sein Rezept. „Normalerweise stelle ich sicher, dass ich mich bereits ein paar Tage im Voraus langsam an einen anderen Rhythmus gewöhne, damit ich zum Rennen etwas wacher bin.“

Ein Blick in Joshuas Tagesablauf

Wer den Eindruck gewinnt, der Pro-SimRacer verbringe seine gesamte Zeit am Lenkrad seines Simulators, der täuscht sich. Joshua verfolgt ein genaues Zeit-Management – er will sein Studium und andere Verpflichtungen mit dem Sport in Einklang bringen. „Ich stehe morgens auf und erledige ganz normale Dinge. Ich studiere Digitale Medien an der Universität, darum muss ich mich kümmern. Und auch darüber hinaus geht es nicht nur ums Training für das nächste Rennen, ich arbeite auch für die Virtual Racing School.“

„Diese Dinge bestimmen normalerweise meinen Tag“, so Joshua. „Es gibt auch Freizeit, die ich mit Freunden verbringe oder in der ich irgendetwas anderes mache. Aber die meiste Zeit ist ernsthaft gefüllt – du versuchst ständig, dich zu verbessern und das nächste Level zu erreichen. Über das Jahr betrachtet muss ich ständig jonglieren, da ich so viel trainieren möchte wie möglich. Wenn da 15 bis 20 Stunden pro Woche zusammen kommen plus sieben oder acht Stunden täglich an der Uni, das verlangt einem einiges ab.“

Die ewige Suche nach mehr Tempo

Wenn Joshua keine Gelegenheit hat, im Simulator zu sitzen, geht das Training trotzdem weiter: Visualisierung ist ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg eines SimRacers. Joshua spielt vielfältige Szenarien in seinem Kopf durch und analysiert Videoaufzeichnungen in endlosen Wiederholungen.

„Du kannst eine Runde visualisieren, indem du sie immer wieder und wieder anschaust – die Bilder erreichen dein System. Das ist natürlich weniger effizient als selbst zu fahren, aber immer noch Training.“

Wer Joshua bei einer Rennveranstaltung beobachtet, nimmt kaum mehr emotionale Regungen wahr als seine hohe Konzentration. Trotz aller offensichtlicher Fokussiertheit gibt er zu, dass ihm die Selbstkontrolle nicht immer leicht fällt. „Ich bin gerne voll und ganz bei der Sache und nicht der Typ, der beim Rennen viele Gefühle zeigt. Aber wenn es gut läuft und ich gewinne, fällt es auch mir schwer, diese Kontrolliertheit beizubehalten. Genauso wichtig ist es für den Rennverlauf, ruhig und sortiert zu bleiben, wenn etwas schief geht. Sonst passieren Fehler, die du besser vermeiden solltest.“

Ankunft im Porsche Esports Supercup

Mit dem PESC-Einstieg hatten sich Joshuas Prioritäten verändert. Der größte Teil seiner Trainingszeit im Simulator gehörte fortan dieser Serie. Er wollte gewinnen und ein weiteres Ziel auf seiner Liste abhaken.

„Der große Name und das Prestige von Porsche geben der Serie eine besondere Note. Gleich im ersten Jahr dabei zu sein, war zusätzlich speziell. Dennoch bin ich die Aufgabe so angegangen wie jede andere auch: Wir alle treten an, um zu kämpfen und das Beste aus uns herauszuholen. Nur darum geht es am Ende des Tages.“

Die Zukunft des SimRacing

Im zarten Alter von 20 Jahren hat Joshua alle Chancen, im SimRacing groß zu werden. Er hofft, dass die Esports-Szene weiter wächst und wünscht sich mehr Offline-Simulator-Rennen. „Zum Glück konnte ich etwas Erfahrung mit Offline-Events sammeln – allesamt erworben bei anderen Porsche Veranstaltungen. Auch das zeigt, wie stark sich das Unternehmen für uns bemüht. Mit meinen 20 Jahren empfinde ich den Zeitpunkt als richtig, um diese Welle zu reiten und abzuwarten, wohin sie mich trägt. Manche Gelegenheiten bieten sich einem nicht jeden Tag, also muss man sie mit beiden Händen annehmen. Wenn das Ganze weiterhin wächst und für mich daraus ein richtiger Beruf werden kann, sage ich nicht nein. Gleichzeitig genieße ich mein Universitätsstudium und wäre auch nicht enttäuscht, wenn dies meine berufliche Laufbahn bestimmt. Aber SimRacing wäre definitiv die Krönung.“

2019 gelang Joshua Rogers der Durchbruch: Stolz konnte er gleich drei Punkte von seiner Wunschliste abhaken – erst die VRS GT iRacing-Weltmeisterschaft, dann die Porsche SimRacing Trophy, die während der ADAC SimRacing Expo am Nürburgring ausgetragen wurde, und dann die Krönung zum Meister des Porsche Esports Supercup.

Nach dem Saisonende will er sich verstärkt seinem Universitätsstudium widmen. Etwas kürzer zu treten bedeutet jedoch keineswegs, dass er seine SimRacing-Ambitionen schleifen lassen würde. Man kann davon ausgehen, dass er auch in der 2020er Saison des Porsche Esports Supercup wieder ganz vorne mitfahren wird.

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