3/24/2020

Vom Cup-Fahrzeug in den Simulator. Ammermüller in Porsches Hightech-Labor.

Die Abläufe waren für Michael Ammermüller Routine: Handschuhe anziehen, Helm aufsetzen und den Gurt anlegen. Doch der Deutsche saß nicht etwa in einem Fahrzeug. Als Champion des Porsche Mobil 1 Supercup erhielt er die Chance, in eines der modernsten Testgeräte für Rennautos zu steigen – dem Fahrsimulator im Porsche Entwicklungszentrum Weissach.

Mit schnellen Rundenzeiten in einem Neunelfer kennt Ammermüller sich bestens aus. Seit 2012 geht der ehemalige Formel-1-Testfahrer in den Porsche-Markenpokalen an den Start. In den Jahren 2017 und 2018 krönte er sich zum Champion des Porsche Mobil 1 Supercup. Nach Patrick Huisman, Richard Westbrook, Jeroen Bleekemolen und René Rast konnte Ammermüller erst als fünfter Fahrer die Meisterschaft im internationalen Markenpokal verteidigen. Bei den Rennen, die traditionell im Formel-1-Rahmenprogramm ausgetragen werden, pilotierte der Routinier einen 485 PS starken Porsche 911 GT3 Cup.

Als Meister im Supercup durfte sich Ammermüller im Simulator in Weissach beweisen. Virtuell kletterte der Bayer in das Cockpit des schnellsten Neunelfers aller Zeiten – den Porsche 911 RSR. Fünf über dem Cockpit platzierte Beamer verwandelten den Simulatorraum mit einer riesigen halbkreisförmigen Leinwand in den Silverstone Circuit. Auf dem britischen Traditionskurs absolvierte Ammermüller verschiedene Sessions und durfte dazu fünf fliegende Runden drehen.

Im durch Glasscheiben getrennten Kontrollraum wurden sämtliche Daten in Echtzeit auf Computer übertragen, während Ammermüller den rund 510 PS starken 911 RSR durch die Kurven Becketts und Maggots jagte. Dabei spürte der Fahrer aus Rotthalmünster jede Bewegung des Autos in seinem Cockpit. „Mir hat es sehr gut gefallen, aber es war nicht einfach. Der Simulator lässt sich vom Fahrgefühl kaum von einem echten Rennauto unterscheiden. Jeder Bremsvorgang, jedes Überfahren der Curbs fühlte sich durch die Vibrationen so an, als würde man tatsächlich auf einer echten Strecke fahren“, beschreibt Ammermüller seine Eindrücke.

In der Vergangenheit war der Fahrsimulator für Porsche Motorsport von essenzieller Bedeutung. So lieferte er entscheidende Erkenntnisse für den Einsatz des 911 Spyder und des 919 Hybrid. Der Simulator stellt damit eine wichtige Komponente in der Entwicklung von Rennfahrzeugen bei Porsche dar. Hier werden technische Änderungen geprobt und dabei von Werksfahrern getestet. Auch in den kommenden Jahren bleibt das Testgerät in einer bedeutenden Funktion: Neben dem 911 RSR werden die Werksfahrer zukünftig virtuell in das Formel-E-Fahrzeug steigen. Denn Porsche geht ab Dezember 2019 mit einem eigenen Werksteam in der Formel E an den Start.

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